Arbeitskräfte: Vom Verfall der Faktorpreise

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Boden, Kapital, Information und Arbeit sind die grundlegenden Produktionsfaktoren, deren Einsatz zu optimieren Aufgabe betriebswirtschaftlichen Strebens ist. Doch der Faktorpreis des Faktors Arbeit ist in ständiger Aufweichung begriffen – oder stürzt ins Bodenlose, um es deutlicher zu sagen. Spätestens mit Hartz IV sind wir als Billiglohnlang positioniert. Was aber bringt uns das, und vor allem, warum?

Lohnverzicht ist der Tagesbefehl, zum Teil in Form direkter Senkungen, oft auch in der Form längerer Arbeit: so steigt die Wochenarbeitszeit, schrumpft der Urlaub und Freizeit verkommt zu Rufbereitschaft. Die seit der europäischen Osterweiterung noch glaubwürdiger vorgetragene Drohung mit Jobverlagerung in den nunmehr nahen und offenen Osten klopft jeden Gewerkschafter weich, weist jeden Betriebsrat in die Schranken. Weniger Geld oder ab zur Arbeitsagentur, das ist die Alternative. Und dieses Argument überzeugt.

Dabei sind die Schuldigen vergleichsweise leicht zu identifizieren: so stellten wir bereits im vergangenen Jahr fest, daß bei den Automobilherstellern die Arbeitnehmer die Zecke für den Zertifikatehandel zahlen: was man an zusätzlichen Kosten durch Energierationierung erwartet, hat man einfach den Arbeitnehmern abgezogen. So einfach ist das. Es verwundert nur, daß in all der Euphorie über das nunmehr endlich erfolgreich gestartete Maut- und Kontrollsystem niemand zur Kenntnis nimmt, wie hier Politik gegen die Interessen des Volkes betrieben wird.

Aber auch Hartz IV hat kräftig an der Abwärtsspirale gedreht: so werden derzeit offensichtlich massenhaft Minijobs frei, weil die Arbeitslosengeld-II-Empfänger jeden Ein-Euro-Job annehmen müssen: Das Vierhundert-Euro-Verhältnis als fürstliche Entlohnung, so weit sind wir schon auf dem Weg in den Bundesarbeitsdienst gekommen. Aber könnte das beabsichtigt sein?

Wenn ab dem Fünfjahresplan 2008 bis 2012 die Unternehmer keine Zuteilungen an "Klimascheinen" mehr erhalten, sondern ihre Emissionszertifikate auf Auktionen erwerben müssen, dann könnte der Handel mit solchen Luftnummern nämlich ein sehr einträgliches Geschäft werden, auch für Leute, die selbst gar nicht der Rationierung unterliegen: sollte sich der Aufschwung nämlich doch noch mal nach Deutschland verirren, oder sollte die Maut rechtzeitig ab 2008 auch auf PKW ausgedehnt werden und dann als Erzwingungssystem zur Durchsetzung des Zertifikatehandels auch gegen Kraftfahrzeugbesitzer eingesetzt werden, wird der "Bedarf" an solch verbrieftem Klima-Unfug nämlich drastisch ansteigen. Dann läßt sich mit Klimascheinen viel mehr verdienen als mit harter Arbeit.

Das läßt ein System hinter der amtlichen Förderung des Preisverfalls für Arbeit vermuten: ganz offensichtlich bereitet man Stützungsmaßnahmen für die verarmende Finanzwirtschaft auf Kosten der produzierenden Wirtschaft vor. "Schmutzige" Industrien sollen nach China oder Indien verschwinden, Länder, die wohl nicht ohne guten Grund keinerlei Verpflichtung aus Kyoto haben, und Deutschland will ein Volk der Klimascheinverkäufer werden, in schöner Einheit mit Rußland: von der Lüge leben

So ist wenig bekannt, daß die deutsche Bank schon 2001 bei einem Eigenkapital von 36,4 Mrd. Euro und einer Bilanzsumme von 950 Mrd. Euro ein Derivatvolumen als Eventualverbindlichkeiten in Höhe von nicht weniger als 11.227 Mrd. Euro auswies, eine Zahl, die etwa das Fünffache des Bruttosozialproduktes Deutschlands oder das 308-fache des Eigenkapitals der Bank ausmacht. Platzen also nur ein Dreihundertneuntel dieses Volumens an Derivatkontrakten, dann entsteht eine Unterbilanz und damit ein Insolvenzgrund – was Anlaß zu einer fatalen Kettenreaktion sein könnte. Davor aber mögen uns die Götter und die Ökochonder behüten, denn dann würden die in Finanzwetten und damit in den Geldmengen M3 und M4 zirkulierenden riesigen Geldmengen liquidiert und also in die Geldmenge M2 gespült, wo sie aber zu aktiver Nachfrage mutierten. Da aber keine Volkswirtschaft der Welt sich binnen Tagen oder gar Stunden verfünffachen kann, käme es zu einem drastischen Nachfrageüberhang und infolgedessen zu einer explodierenden Inflation. Bedenkt man, daß alleine in einer einzigen (wenn auch großen) Bank schon das Potential steckt, die gesamte Volkswirtschaft zu implodieren, so wird deutlich, daß wir längst eine latente Hyperinflation haben, gegen die 1922/23 wie ein Rundungsfehler anmutet.

Das also ist der wahre Zweck des ganzen Öko-Popanz: man schafft ein neues Derivatpapier, das Klimazertifikat. Das treibt zwar den Teufel mit dem Beelzebub aus, ist aber im Gegensatz zu bisherigen Formen von Derivatverbindlichkeiten unverfallbar, weil Brüssel jederzeit bei der Gefahr, daß Arbeit sich wieder lohnen könnte, die Gesamtmenge der handelbaren Zertifikate reduzieren und damit ihren "Wert" erhöhen kann – was die gefährliche Situation, die durch die Derivatblase entstanden ist, auf absehbare Zeit entschärfen könnte. Dem Verfall des Faktorpreises für Arbeit steht also eine Hausse des Faktorpreises für Kapital bevor. Das ist die volkswirtschaftliche Umverteilung, der wir derzeit begegnen.

Wie es sich für eine Spätzeit gehört, wird der Verfall einst sinnvoller Wirtschaftsstrukturen von einem beispiellosen moralischen Verfall begleitet, wobei ich nichtmal Big Brother und das Ekel-TV meine: so schaden Kindersex-Vorwürfe zwar einem bekannten Popstar, nicht aber einem grünen Europaabgeordneten, der mit seinen Hosenmatz-Abenteuern sogar in seiner Autobiographie prahlen kann, und ganz zeitgemäß wird das liebenswerte Märchen von Hänsel und Gretel jetzt hier in Erfurt als Kindersex-Oper für Erwachsene aufgeführt, von Regisseur Giancarlo del Monaco politisch korrekt in ein Bordell verlegt. Da kümmern die diversen Spenden- und Nebenverdienst-Affären schon keinen mehr, denn Korruption gehört zur Politik wie der Rotwein zum Käse.

Doch die Politiker haben wie so oft in all ihrem Realitätsverlust die Rechnung ohne den Wirt gemacht, also ohne das Volk, dessen Parasit sie doch sind: Mit handelbaren Luftsteuern kann man nämlich die Börsen am gnadenlosen Absturz hindern, nicht aber die Versorgung des Volkes sichern. Das wird offensichtlich vorausgesehen, denn anders ist es nicht zu erklären, daß man letzten Sommer Notstandsgesetze verabschiedet hat. Ganz offensichtlich macht man sich sogar schon über Notbevorratung Gedanken – was einst in Nürnberg II ein Beweis des Tatvorsatzes sein könnte. Doch das zeigt auch, wie nah wir schon am Abgrund stehen: man antizipiert offensichtlich schon den wirtschaftlichen Zusammenbruch, aber niemand hat ein Rezept für die Zeit danach. Das hatte 1989 zwar keine der Parteien, dafür aber die Geschichte. Doch die Nachkriegszeit ist endgültig vorbei, und wer zu spät kommt, den bestraft das Leben. So sind die nahkampfähnlichen Zustände bei Rabattaktionen in bekannten Elektromärkten ein Vorgeschmack auf das bald wohl ganz normale Einkaufserlebnis, und an das, was danach kommen könnte, wage ich nicht zu denken.

Links zum Thema: Hartz IV: Übersicht über die wichtigsten Details | Moskau ratifiziert Kyoto: Ein Ausblick | KarstadtQuelle und Opel: Jetzt kriegen wir die Quittung | Noch mehr Zweifel am »Treibhauseffekt« | Michael Jackson und Daniel Cohn-Bendit, oder von den Vorrechten der politischen Kaste | Wirtschaftssicherstellungsverordnung: Rot-Grün bereitet die Kommandowirtschaft vor | Landwirtschaftsministerium ruft zu Notbevorratung auf – aber weshalb? | Politische Theorie: Gibt es einen »Neuen Faschismus«? (interne Links)

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