Mindestlohn: vom ökonomischen Sachverstand der Gewerkschaften

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Die Debatte um Mindestlöhne ist wiedermal entbrannt, und obwohl sich selbst der Kanzler inzwischen von diesem planwirtschaftlichen Weg verabschiedet hat, wollen die Gewerkschaften die Idee vorantreiben, allen voran die Gewerkschaft Nahrungsmittel-Genuß-Gaststätten (NGG). Was aber ist dran an einem Mindestlohn?

Viele Arbeitnehmer sind inzwischen nicht mehr von einem Tarifvertrag "geschützt" argumentieren die Gewerkschafter, und haben damit zweifellos Recht: 30% der Arbeitsverhältnisse im Westen und 45% im Osten sollen inzwischen außerhalb kollektivvertraglicher Reglementierung sein. Aber ist das so schlecht – und welche Auswirkung hätte es, diese Menschen durch einen Mindestlohn zu "schützen"? Sehen wir uns mal ein einfachens Beispiel an:

Marktgesetzmäßigkeiten bei Mindestlohn: ein permanentes Ungleichgewicht ist die Folge!Ein Grundannahme ist, daß Märkte zu einem stabilen Gleichgewicht tendieren, wenn sie sich selbst überlassen bleiben, also frei von äußerlicher Einflußnahme sind. Nun ist der Arbeitsmarkt einer der am festesten betonierten Märkte überhaupt, aber nehmen wir einfach mal modellhaft den schönen Zustand des freien Spiels der Marktkräfte an: Bei gegebener Angebotsfunktion (A) und Nachfragepräferenz (N) würde sich der Gleichgewichtspreis PG bei der Gleichgewichtsmenge XG von selbst als stabiler Marktzustand einstellen: jeder, der Arbeit will, findet auch welche – zum aktuellen Marktpreis.

Würde allerdings ein Mindestpreis Pmin eingeführt, der über dem Marktpreis liegt (denn sonst macht es ja keinen Sinn), dann kann man unschwer durch Herabloten auf die sich dann einstellende Nachfragemenge N' und die zugehörige Angebotsmenge A' kommen: es ist also unschwer zu sehen, daß in Folge der Mindestpreisfixierung die Nachfrage N' nach Arbeitskräften weiaus geringer wäre als das Angebot A', und der Unterschied heißt Arbeitslosigkeit. Durch die Mindestpreisfixierung verschärfen wir also das Problem, das wir eigentlich lösen wollen: die Gewerkschaften, wie wir alle wissen Kompetenzzentren in Sachen Marktwirtschaft, gehen einen Weg, der zwar den immer weniger werdenden Arbeitsplatzbesitzern nützen mag, der Mehrheit der Arbeitslosen aber massiv schadet.

Und das wäre in der gegenwärtigen Situation Gift für den Arbeitsmarkt, denn obiges Modell geht von freien Märkten aus. Da wir aber leider die Diskussion um den Kündigungsschutz wieder aufgegeben haben, sich also in dieser Hinsicht nichts ändert, stellt jede Einstellung ein Prozeßrisiko bei späterer Entlassung dar. Ein Arbeitgeber wird daher lieber Überstunden fahren als genügend Leute einzustellen, weil jedes Arbeitsverhältnis das Unternehmensrisiko erhöht. Schon diese nichttarifäre Belastung des Arbeitsmarktes bewirkt ein permanentes Ungleichgewicht – das dürvh Mindestlöhne noch erheblich verschärft werden würde.

Aber solche Debatten liegen im Trend: so schafft der ab 1. Januar 2005 in Kraft tretende Emissionshandel Anreize, die Anlagen, die bald der Energierationierung unterliegen, stillzulegen und die hierfür "eingesparten" Emissionsberechtigungen zu verkaufen. Der Emissionshandel ist damit ein Anreiz zum Export von Arbeitsplätzen – was uns ja auch schon angekündigt wurde. Angesichts von faktisch fast neun Millionen Arbeitslosen fordern die Gewerkschaften aber allen Ernstes noch weitere Einschränkungen, die das Einstellen von (legalen) Arbeitnehmern noch weniger attraktiv machen. Das immerhin ist ein nicht zu unterschärtender wirtschaftlicher Sachverstand.

Dabei wären Lösungen einfach und kostengünstig zu haben: selbst weniger Bruttolohn kann eine höhere Kaufkraft bedeuten – und dabei sogar noch höhere Steuereinnahmen. Man müßte mal bei Arthur B. Laffer nachlesen: Massive Deregulierung, heftige Steuersenkung und der sofortige und ersatzlose Ausstieg aus der Öko-Planwirtschaft wären einfache aber wirksame Rezepte. Aber die Laffer-Kurve kriegt Deutschland nicht, jedenfalls nicht so bald…

Links zum Thema: Arbeitsrechtlicher Kündigungsschutz fundamental in Frage gestellt | Liste mit Anlagen, die ab 2005 der Energierationierung unterliegen | Moskau ratifiziert Kyoto: Ein Ausblick | Arbeitsplatzabbau wegen Emissionshandels angekündigt | 8,6 Millionen Arbeitslose – schon vor Beginn der Energierationierung | Arthur B. Laffer und die Kleptokratie (interne Links)

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