Medien & Marktkommunikation, Back to the Roots – oder zurück zu den Wurzeln?

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Die Rückbesinnung auf die deutsche Sprache hat begonnen, jedenfalls in der Marktkommunikation. So heißt das freeway-Produkt der deutschen Post plötzlich wieder "Paketmarke" und aus "Leading to Results" ist bei einer mit Leidenschaft Leiden schaffenden Bank "Leistung aus Leidenschaft" geworden. Aber gibt es auch eine Rückbesinnung auf die Nation? Und wenn ja, mit welchen Mitteln?

Deutsche Wurzeln?

So wird die Werbung nicht leiser und schon gar nicht weniger aggressiv, aber immerhin verständlicher: Aus "Driven by Instinct" einer doch per Lenkrad und Gaspedal zu fahrenden Automarke wurde wieder "Vorsprung durch Technik" und ein Sportartikelhersteller meint statt "I feel good" wenig originell "Servus die Wadeln". Ob er wohl einen heftigen Wadenkrampf damit meint? Auch nicht intelligenter aber immerhin deutsch ist jetzt Siemens Siemens' "Die Zukunft zieht ein" statt einstmals "Be inspired", und aus dem unsäglichen "Come in and find out" eines Kosmetikhändlers wurde plötzlich "Macht das Leben schöner". Aber ist das auch ein Indiz?

Zurück zur Nation…

Zweifelhaft ist nämlich, ob wir hier ein Symptom einer tiefgreifenden sozialen Entwicklung vor uns haben, denn hätte der größte Europäische Nettozahler plötzlich sein fast sechzig Jahre systematisch unterdrücktes Nationalbewußtsein wiederentdeckt, dann hätte die Öffentlichkeit sicher was zu der Art gesagt, wie deutsche Interessen an Europa, die Siegermächte oder die Jewish Claims Conference verkauft werden. Aus diesen Ecken hören wir jedoch nach wie vor nur beredtes Schweigen, selbst da die Rechtsradikalen nunmehr in zwei Landesparlamenten sitzen, was das Image der Deutschen nach außen nicht gerade verbessert. Das macht aber nichts, denn der Haß auf die Deutschen ist der Mörtel, der die Europäische Union zusammenhält, bis heute. Eine Entwicklung ist aber doch zu beobachten, und die ist deutsch bis auf die Knochen.

…per Verwaltungsakt

So kursieren bekanntlich Überlegungen, Radiosender dazu zu zwingen, eine bestimmte Quote deutschen Liedgutes zu spielen – von 40% ist die Rede. Was sind in Frankreich schon seit Jahren angeblich bewährt, soll auch die Liebe zur deutschen Sprache befördern – wie in Deutschland nunmal üblich per Verwaltungsakt. Die allgemeinen Freiheitsrechte (Art. 2 Abs. 1 GG) scheinen jede, die solche abstruse Forderungen stellen, ebensowenig zu interessieren wie die Freiheit der Kunst (Art. 5 Abs. 3 GG), die auch einschließt, Musik in jeder beliebigen Sprache vorzutragen. Letztlich steht sogar die Berufsfreiheit (Art. 12 GG) auf dem Spiel, denn Sender, die sich nicht an die Deutschquote halten, sollen sogar geschlossen werden können. Aber wer kümmert sich angesichts der bekanntlich höchst demokratischen Binnenstruktur der Europäischen Union noch um das deutsche Grundgesetz?

Gib Heino eine Chance

Bald werden wir wohl alle wissen, welche Tiere den Schwanz vorne tragen: die Kastelruther Spatzen. Diese profitieren nämlich wie Heino und andere Barden von der Deutschquote, die zu einer allgemeinen Zensur auszubauen gewiß im Trend der Zeit läge. Langfristig hätte das auch den unschätzbaren Vorteil, Störkräfte wie den BWL-Boten aus dem Feld schlagen zu können, denn die parteiliche Bindung der öffentlich-rechtlichen Sender ist nun gar nichts Neues. Sie müßte nur noch per Gesetz erklärt werden, dann hätten wir Ruhe, vor bösen fremdländischen Rockern ebenso wie vor Querdenkern. Ruhe ist schließlich erste Bürgerpflicht!

Typisch deutsch!

Am deutschen Wesen ist die Welt zwar nicht gerade genesen, aber am Geiste der Nation geändert hat sich nicht sehr viel: für alles brauchen wir ein Gesetz, sogar dafür, wie wir singen. Da man die Schlechtschreibreform nun wohl doch nicht durchsetzen kann, versucht man es halt erneut, diesmal halt bei den Musikern. Ob man die Liebe zur eigenen Nation auf diese Weise wiederherstellen kann, und ob man das überhaupt wünscht, ist indes zweifelhaft. Vielleicht soll die Deutschquote im Radio nur die Musikberieselung muffiger deutscher Behördenstuben für die vielen Beamten ohne Englischkenntnisse etwas verständlicher machen. Und das per Verwaltungsakt, wie üblich. Markt, Volkes Wille, am Ende gar noch Demokratie? Nein Danke…

Links zum Thema

Rechts- und Wirtschaftsordnung in Europa | EU-Osterweiterung: nichts zu feiern | Schlechtschreibreform: Der Anfang vom Ende | Fernseh-Werbeblocker erlaubt: Am Beginn einer Revolution der Marktkommunikation | Planung effektiver Werbestrategien (interne Links)

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