Was hat die funktionelle Magnetresonanztomographie mit dem Marketing zu tun?

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Die funktionelle Magnetresonanztomographie (fMRT) ist ein bildgebendes medizinisches Verfahren, das die Prozesse, die im Gehirn eines Menschen ablaufen, millimetergenau visualisiert. Veränderungen der Sauerstoffaufnahme der Gehirnzellen führen dabei zur exakten Lokalisation neuronaler Aktivitäten. Das Verfahren findet vielfach Anwendung in der Psychiatrie aber auch bei der Drogentherapie, war also bislang etwas, was nur Ärzte interessiert hat. Aber vielleicht nicht mehr lange…

Die Medizin weiß nämlich seit geraumer Zeit, wo das Gehirn bestimmte Reize verarbeitet, wo also was passiert, wenn wir denken – oder Gefühle empfinden. Das ist, wo die Betriebswirtschaftler ins Spiel kommen, insbesondere die Marketing-Leute. So haben Forscher bei DaimlerChrysler die funktionelle Magnetresonanztomographie bei Personen angewandt, denen Fahrzeuge vorgeführt wurden, und dabei festgestellt, daß das sogenannte Belohnungssystem im Gehirn bei Sportwagen viel stärker angesprochen wird als etwa beim Anblick biederer Familienkutschen. Nun kennen gute Verkäufer die bekanntlich zumeist nonverbalen Kaufbereitschaftssignale ihrer Kunden. Steht diesen aber ein bestimmtes, mit der fMRT beobachtbares Aktivitätsmuster des Gehirns gegenüber?

Falls ja, könnte das eine Katastrophe sein, jedenfalls eine für ohnehin schon durch das täglich fortschreitende Eindringen der Werbung in den Alltagsraum genervte Konsumenten. Bislang können die Werber nämlich nur unsere Computer mit Spyware verseuchen und unsere Surfgewohnheiten aufzeichnen, um uns mit unseren Interessen entsprechenden Popups und Bannern zu "versorgen". Mit der fMRT könnte es gelingen, dem Kunden direkt ins Hirn zu schauen – und dabei vielleicht seine geheimsten Wünsche aufzuspüren. Der Spion direkt im Großhirn? Die unbetrügbare Turbo-Marktforschung?

Bis dahin ist es doch noch ein recht langer Weg, denn die derzeit verwendeten Geräte wären in einem Verkaufsraum doch recht auffällig: Groß wie ein Kleinwagen benötigen sie Spannungen im Kilovoltbereich, sind umständlich zu benutzen und ausgesprochen teuer, denn sie werden von den Krankenkassen bezahlt, die ihre Zwangskunden bekanntlich auf dem Silberteller serviert bekommen und durch den planwirtschaftlichen Risikostrukturausgleich kaum auf Kostenreduktion achten müssen.

Aber schon jetzt zeichnen sich Anwendungen ab, die möglich sind, sobald die Geräte nur etwas kleiner und kostengünstiger werden. Denn vor den Verkäufern kommen die Staatsanwälte und die Personaler. Ja, eine seltsame Mischung: Staatsanwälte beäugen die neue Technologie bereits als eine Art Super-Lügendetektor, denn während es bei geeignetem Training möglich ist, einen traditionellen Lügendetektor zu betrügen, lügt die Magnetresonanztomographie nie. Aber nicht nur die Vernehmungen von Verdächtigen könnten bald unter der elektrischen Haube stattfinden, auch Stellenanwärter für sicherheitsrelevante Posten könnten bald gescreent werden bevor man sie einstellt. Der Terror-Detektor, der direkt in die Großhirnrinde schaut?

Derzeit wären solche Methoden, sollten sie technisch funktionieren, vermutlich unzulässig, es sei denn auf freiwilliger Basis – aber ohne Scan kein Job, so einfach ist das. Und Arbeitslose gibt es bekanntlich genug. Und beobachtet man, wie schnell seit dem 11. September auch in Deutschland Freiheitsrechte abgebaut worden sind, würde es mich nicht wundern, wenn solche Verfahren bald für Anwärter im öffentlichen Dienst zur Pflicht werden.

Links zum Thema: Gesellschaftliche Metatrends: von der Analyse verborgener Entwicklungen zur mittelfristigen Prognose (interner Link)

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