Rechtschreibreform: Volksabstimmung gefordert

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Zum Дrger der Reformer will die Diskussion ьber die 1999 eingefьhrte Rechtschreibreform noch immer nicht verstummen. Inzwischen fordern aber nicht nur obskure BWL-Seiten im Internet, sondern auch Politiker der Union und der FDP ganz offen einen Volksentscheid. So sagte die FDP-Generalsekretдrin Cornelia Pieper der "Bild"-Zeitung, daЯ die Sprache dem Volk gehцre und nicht den Kulturbьrokraten. Der CDU-Innenexperte Clemens Bibbinger verwies auf Umfragen, nach denen 87% der Deutschen die Reform ablehnten.

Noch einen Schritt weiter ging die bildungspolitische Sprecherin der CDU Katharina Reiche, die inzwischen offen die Rьcknahme der Reform fordert. Sie trage "Zьge von Willkьr" und sei sowohl falsch als auch unsinnig. Dem kann sich der BWL-Bote nur anschlieЯen, der die Reform schon wegen ihrer faschistischen Wurzeln nie angenommen hat und das auch in Zukunft nicht tun wird.

Diese Entwicklung freilich trдgt einen gefдhrlichen Keim in sich. So kцnnte, wenn man das Volk, das einst den Hitler wдhlte, nunmehr sogar ьber seine eigene Schriftsprache befinden lдЯt, plцtzlich auch Mitspracherecht bei seiner Regierung einfordern. So hat man wohlweislich die Deutschen nicht ьber den Euro abstimmen lassen, denn was der Preis der Einheit war, wдre mit Pauken und Trompeten durchgeknallt. Was wдre aber, wenn man die Deutschen ьber die EU-Verfassung abstimmen lдЯt?

Das wird derzeit noch von einem Grundgesetz verhindert, das ebenfalls weder vom Deutschen Volk noch in freier Entscheidung beschlossen wurde (Art. 146 GG), also ebenso undemokratisch ist wie Europa. So konnten die Schlechtschreibreformer auch die eindeutige Ablehnung bei einer Volksabstimmung in Schleswig-Holstein mit der Arroganz der undemokratischen Macht ignorieren.

Sollte jetzt aber der Damm brechen, kцnnte das neben einer Volksabstimmung ьber die Schlechtschreibreform, die zweifellos haushoch durchfallen wьrde, geradezu katastrophale Folgen fьr andere Zukunftsprojekte der Regierung wie Europa, Doofenpfand, Цkosteuer, Maut oder gar die Energierationierung haben. Kaum auszudenken, ist doch das Rationierungsgesetz heute im Bundesgesetzblatt erschienen. Nein, es darf keinesfalls eine Volksabstimmung geben!

Links zum Thema: Geht die Schlechtschreibreform auf ein Nazi-Projekt zurьck? | Ein Jahr danach: der ungeliebte Teuro | Deutschland noch immer ohne Verfassung: Kommentar zu Art. 146 GG | EU-Osterweiterung: nichts zu feiern | EU-Verfassung: Plцtzlich ьberall Volksabstimmungen – nur nicht in Deutschland? | Widerstand der Lдnder gegen Ausweitung des Dosenpfandes auf Getrдnkekartons | Debatte um Цkosteuer wieder aufgeflammt | Maut-Kostenrechnung: es ist noch viel teurer | Exportprдmie fьr Arbeitsplдtze beschlossen (interne Links) Gesetz zur Umsetzung der Richtlinie 2003/87/EG ьber ein System fьr den Handel mit Treibhausgasemissionszertifikaten in der Gemeinschaft (externer Link)

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