»Donald Dick«: Porno-Sprache in Übungsaufgaben!

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Im Forum für Betriebswirtschaft postete ein Teilnehmer eine Übungsaufgabe, die nach eigenem Bekunden aus dem BWL-Fernstudium der Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) stammt, und die sich der Sprache der Porno-Seiten bedient – möglicherweise ohne, daß dies den Aufgabenerstellern bewußt gewesen ist. Das ist aber nur der auffälligste Mangel dieser Übungsfrage, die wir hier einer näheren Betrachtung unterziehen:

Das Ärgernis

Unauffällig und bescheiden kommt eine Aufgabe daher, die mehrere schwerwiegende Mängel aufweist:

Als Vorstand des Unternehmens "Donald Dick" Gummibärchen möchten Sie die Unternehmensstruktur des Unternehmens verändern.
1. Frage: Nennen Sie mögliche Gründe, warum Reorganisationen notwendig sind.
2. Frage: Welche beiden grundlegend unterschiedlichen Methoden kennen Sie zur Durchführung dieses Reorganistionsvorhabens? Beschreiben Sie diese beiden Methoden!

 

Erst denken, dann texten!

Hier fällt auf Anhieb auf, daß der Texter ("Prüfungslyriker"), der diesen, sorry, Mist verzapft hat, vorher mal ein bißchen hätte nachdenken oder einfach googeln sollen, denn zu "Donald Dick" fallen mir nicht gerade Gummibärchen ein: so gibt es einen Trojaner, also ein Spionage-Programm, das sich als virtueller Gerätetreiber tarnt, um bei jedem Systemstart neu geladen zu werden und spionieren zu können, also eine Software, die man lieber nicht haben möchte (mehr Infos). Meines Erachtens nach viel gravierender ist, daß "Dick" in der Sprache der Porno-Industrie "Penis" bedeutet, und es existiert sogar eine Porno-Seite namens "Donald Dick", die wir an dieser Stelle allerdings nicht verlinken: ein PR-Desaster für das seriöse Bild, das die SGD von sich selbst in der Öffentlichkeit vermitteln will!

Unfaire Frage

Zudem ist diese Frage auch inhärent unfair, aber das hat andere Gründe: so gibt es hier gleich zwei unfaire Strukturen, über die wir uns an anderer Stelle schon ausgelassen haben.

Wischiwaschi

So ist die Frage ein Lehrbuchbeispiel für die unfaire Wischiwaschi-Frage: mögliche Gründe, weshalb eine Reorganisation notwendig sei, gibt es nämlich viele – man könnte eine Doktorarbeit darüber schreiben: Änderungen der Märkte, Änderungen relevanter Gesetze, neue ideologische Restriktionen durch die Politik, die EU-Osterweiterung, der Wertewandel, neue Hard- oder Software, Einführung eines TQM: Möglichkeiten gibt es viele. Woher weiß aber der wackere Teilnehmer, daß der Prüfer die Antwort wirklich nach-denkt anstatt sie nur mit einer Schablone nachzusehen? Wie kann der Lehrgangsteilnehmer wissen, daß alles, was gesagt werden kann, auch als richtig gewertet wird, anstatt nur das, was angesichts der möglicherweise sehr zahlreichen Einsendungen in einer Musterlösung zu finden ist? So wird aus einem Lehrgang leicht ein Leergang!

Unfaire Untergliederung

Auch nach den beiden grundlegenden Methoden der Reorganisation zu fragen, ist nicht minder daneben, denn nirgendwo gibt es eine Festlegung, daß es stets genau zwei Methoden geben müsse: hier liegt nämlich der Verdacht nahe, daß etwas, was im Leerbuch der SGD in zwei Methoden geteilt wurde, jetzt genau so abgefragt werden soll – obwohl man es auch in drei, fünf oder sieben Verfahren unterteilen könnte. In einer Übungs- oder gar Prüfungsfrage eine starre Kategorisierung vorauszusetzen ist stets unfair, solange eine solche Kategorisierung nicht extern und objektiv vorgegeben wird: so gibt es etwa die beiden Methoden der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV), weil in §275 Abs. 2 und 3 nämlich genau zwei Methoden vorgegeben werden, aber in keiner objektiven Regelungsquelle sind genau zwei Methoden des Change Managements vorgegeben.

Qualitätsmanagement in Lehre und Prüfung

Auch in Lehre und Prüfung gibt es Qualitätsmanagement, über das wir uns schon früher mal Gedanken gemacht haben. Die SGD wäre unserer Auffassung nach gut beraten, ihre Übungs- und ggfs. auch Prüfungsfragen gründlich auf PR-Hauer und vergleichbare unfaire Strukturen zu überprüfen, denn solche Knaller habe ich schon oft gehört und manches Mal auch ohne Nennung der Quelle rezensiert – eine Politik, die ich hiermit einmalig ändere. Ich würde den Prüfungslyrikern der SGD vorschlagen, dies hier als Kundenbeschwerde aufzufassen, denn im Sinne des TQM bin ich mindestens Stakeholder: ich bin von dem Fragen-Müll betroffen, der immer wieder ins Forum schwappt. Und das SGD-Studium dürfte kaum kostenlos sein: für einen (hohen?) Preis kann ein Lehrgangsteilnehmer zwar nicht unbedingt auch ein gutes Prüfungsergebnis, aber doch wenigstens eine faire Prüfung ohne (wenn auch vermutlich unbeabsichtigte) schlüpfrige Porno-Assoziationen verlangen. Und mit solchen unfairen Fragen besteht der Verdacht, daß das Studium nicht kostenlos, aber umsonst ist…

Links zum Thema

Forum für Betriebswirtschaft | Posting mit der hier rezensierten Frage | Kleine Typologie unfairer Prüfungsfragen | Kundenzufriedenheit und Qualitätsmanagement im Bildungsbetrieb | (interne Links) | Studiengemeinschaft Darmstadt (SGD) | Weitere Infos zum Donald-Dick-Trojaner (externe Links).

 

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