IHK-Lehrgänge: Das Drama mit den Textbänden

Teilen

Schon vor einiger Zeit haben wir an dieser Stelle dargestellt, weshalb die Textbände der IHK so schlecht sind, aber weshalb man sie dennoch braucht. Trotzdem wird im Forum für Betriebswirtschaft in letzter Zeit immer mehr über diese Textbände geschrieben. Dieser kleine Beitrag interessiert alle, die die Textbände nicht haben aber brauchen, oder auch die, die sie haben, aber nicht (mehr) brauchen.

Prüfung und Textbände

Trotz recht massiver Kritik und diverser Verbesserungsvorschläge braucht die offiziellen IHK-Unterlagen, wer eine IHK-Prüfung erfolgreich bestehen will. Im Lehrgang "Betriebswirt/IHK" beispielsweise ist dies insbesondere in den Fächern "Projektmanagement", "Ökologiemanagement" und "Qualitätsmanagement" der Fall. Hier reicht es oft, den jeweiligen Textband ausgiebig studiert zu haben, um Duktus und Denkmuster der Kämmerlinge so weit zu internalisieren, die Prüfung zu schaffen. Ich habe Leute das mit Bravour schaffen sehen, die kaum jemals in der Veranstaltung waren, aber den Textband bis zur Interpunktion gelernt haben. Wie sinnvoll das aus didaktischer Sicht ist, mag eine andere Frage sein; im Vorfeld einer Prüfung ist es aber gewiß die falsche Frage. Weniger ist das übrigens im Bereich "angewandte Betriebswirtschaft" der Fall, wo der strategische Teil noch mehr oder weniger den Inhalten des Textbandes entspricht, im rechnerischen Teil sich aber oft ein über das Inhaltsverzeichnis hinausgehendes Studium der offiziellen Kammerunterlagen erübrigt, weil die Fragen in der Prüfung "anders aussehen".

Unfairer Wettbewerb

Dies könnte eigentlich eine gute Prognose des Prüfungserfolges begründen, "ohne Schweiß kein Preis", sozusagen, würde die Kammer nicht alle vom Bezug ihrer offiziellen Unterlagen ausschließen, die nicht an einem Lehrgang der IHK teilnehmen. Wer also bei einer anderen Institution lernt, oder es gar im Selbststudium versuchen will, hat keinen (offiziellen) Zugang zu den IHK-Textbänden: Wie es derzeit scheint, werden die begehrten Hefte nichtmal auf direkte Bestellung vom W. Bertelsmann Verlagherausgerückt. Im Buchhandel sind sie schon gar nicht zu haben; diese Schriftwerke haben nichtmal eine ISBN. Im Prinzip ist das etwas, was alle großen Bildungsfirmen machen – die Unterlagen von Firmen wie CDI oder den Euro-Schulen kann man schließlich auch nicht im Buchhandel kaufen. Hier ist es aber besonders unfair, weil die Werke anderer Firmen auch nicht in dem Maße prüfungsrelevant sind.

Schwarzmarkt

Kein Wunder, daß sich also im Laufe der Zeit ein schwunghafter Handel mit solchen IHK-Unterlagen gebildet hat, ein waschechter Schwarzmarkt also, woraus die Kämmerlinge lernen könnten, daß man offiziell veröffentlichen sollte, was man nicht unter der Decke halten kann, aber diese Lektion hat sich noch nicht bis zu den Verantwortlichen durchgesprochen. Da es grundsätzlich nicht verboten ist, Bücher zu kaufen und zu verkaufen, ist dies auch im Forum für Betriebswirtschaft gestattet. Zudem kann man u.U. die IHK-Unterlagen bei den bekannten Internet-Auktionshäusern erwerben oder veräußern. Käufern und Verkäufern werden aber ein paar Ratschläge ans Herz gelegt, um ihren Erfolg zu verbessern.

Ratschläge für Käufer und Verkäufer

So sollten Sie drauf achten, stets die neuste Version des jeweiligen Werkes zu erwerben, denn meist sind die aktuellsten Textbände auch am prüfungswichtigsten. Schreiben Sie also in Ihr Verkaufsangebot genau hinein, welche Version Sie besitzen, oder fragen Sie den Verkäufer nach diesen Daten. Prüfen Sie vorher bei der Kammer, beim W. Bertelsmann Verlag oder bei Leuten, die das von Ihnen begehrte Werk schon besitzen, welche Version die aktuelle ist. Sie werden zudem gebeten, die urheberrechtlichen Regelungen einzuhalten. Diese besagen in diesem Fall, daß Sie mE nach zweifellos Ihren eigenen Satz an IHK-Textbänden verkaufen dürfen; Fotokopien oder aus Scans erstellte PDF-Dateien zu verkaufen, kann hingegen ein Urheberrechtsverstoß sein. Gleichwohl können dies auch legale Privatkopien sein, so daß entsprechende Angebote im Forum nicht gelöscht werden, da ich weder bereit noch fähig bin, den rechtlichen Status Ihrer Kopie zu überprüfen. Schließlich werden Preisvergleiche empfohlen, denn wie auf allen Schwarzmärkten scheint die Volatilität des Preisnvieaus erheblich zu sein, wenn meine bisherigen Beobachtungen stimmen. Übrigens steigen die Preise offensichtlich im Vorfeld der Prüfungen an; kümmern Sie sich also rechtzeitig um Ihre Unterlagen, damit Sie die Angebote mehrerer Verkäufer vergleichen können.

Anfragen zwecklos

Falls Sie erfahren haben, daß ich Dozent bei der Kammer (und Mitglied diverser Prüfungsausschüsse) bin, könnten Sie schließen, daß ich vermutlich einen kompletten Satz der Kammerbücher besitze. Zweifellos ist das der Fall. Allerdings hat es keinen Zweck, mich nach deren Preis zu fragen, denn ich rücke sie nicht raus. Nein, auch nicht in Kopie. No way. Als Auftragnehmer der IHK darf ich zwar die diesbezügliche Politik der Kammer kritisieren (was ich hiermit tue), und einen Verbesserungsvorschlag anbringen (was ich bereits tat, und gleich noch mal versuche), muß mich gleichwohl aber auch loyal verhalten.

Vorschläge an den DIHK

Die oben skizzierten derzeitigen Zustände sind mE nach rechtlich weder zu beanstanden noch zu verhindern, aber dennoch untragbarund hochgradig unfair. Es kann nicht sein, daß die Kammer die wichtigsten Informationen für ihre eigenen Prüfungsteilnehmer zurückhält und die Kunden von Drittanbietern, die ebenfalls ihre Freizeit geopfert und eine Menge Zeit und Mühe investiert haben, gnadenlos in den Prüfungen auflaufen läßt. Wir haben daher eine Abschaffung der IHK-Textbände und die Verwendung allgemein verfügbarer Literatur aufgrund eines feststehenden Stoffplanes empfohlen, was gleiche Chancen und Risiken für alle schaffen würde. Falls man nicht bereit ist, dieses offensichtlich gescheiterte Experiment aufzugeben, wäre es wenigstens fair und angemessen, die genannten Unterlagen gegen ein angemessenes Entgelt allen Interessenten generell zur Verfügung zu stellen. Tut die Kammer gar nichts, und danach sieht es im Moment aus, dann beschädigt sie letztlich nicht nur ihren eigenen Ruf, sondern auch den ihrer eigenen (erfolgreichen) Absolventen, deren Titel immer mehr mit einem zweifelhaften Schwarzmarkt in Verbindung gebracht wird. Das dient den Absolventen so wenig wie der Kammer. Dringender Handlungsbedarf besteht, und die Verantwortlichen beim DIHK wie beim W. Bertelsmann Verlag, die dies hier mit Gewißheit lesen (ein Blick ins Logfile genügt!), werden im Namen zahlreicher Teilnehmer um einen konstruktiven Dialog gebeten, an dem mitzuwirken ich selbstverständlich bereit und in der Lage bin.

Links zum Thema

Forum für Betriebswirtschaft | Betriebswirt/IHK: Verbesserungsvorschlag Nr. 1: Die IHK-Textbände | Die IHK-Textbände: Warum sie schlecht sind, weshalb man sie dennoch braucht und wo man sie herkriegt (interne Links) | W. Bertelsmann Verlag (externer Link)

Ähnliche Themen, die Ihnen gefallen könnten