Studien- und Diplomarbeiten: Schummeltips für Prüfer und Kandidaten

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Nicht jede Studien- oder Diplomarbeit stammt von dem, dessen Namen auf der Titelseite steht, und in den Weiten des Netzes findet sich manche Möglichkeit, den Arbeitsaufwand zu reduzieren und den Erfolg zu maximieren. In diesem kleinen Beitrag demonstriert der BWL-Bote beliebte Schummeltips, verrät aber auch, wie man sie auffliegen lassen kann. Jede Haftung für Probleme, die sich aus der Anwendung der hier beschriebenen Tricks ergeben könnte, wird natürlich abgelehnt.

Was ist ein Plagiat?

Schreibt ein Autor von einer Quelle ab, so muß er diese in gewohnter Weise angeben. Tut er das nicht, entsteht ein Plagiat, alsogeistiger Diebstahl. Diese Regel wird oft sehr eng ausgelegt; nur bei der Wiedergabe allgemeinbekannter Konzepte und Gedanken, wie etwa mancher Portfolios oder der Wertkette nach Porter (vgl. auch hier), wird manchmal nicht mehr auf einer Quelle bestanden, weil sie sozusagen Allgemeingut geworden sind. Praktisch alle Schummeleien bei Studien- und Diplomarbeiten drehen sich darum, ob der vorgebliche Autor auch wirklich selbst gedacht und geschrieben hat, was nicht ausdrücklich als fremdes geistiges Eigentum gekennzeichnet ist.

Das Vollplagiat

Etwas einfallslos ist es, eine Arbeit aus dem Netz zu laden und seinen eigenen Namen draufzuschreiben, und zumal auch leicht aufzudecken: einschlägige Suchmaschinen ergoogeln dem verantwortlichen Prüfer nämlich oft schon den exakten Wortlaut aus dem Netz, so daß jeder Lehrer, der mit einem Computer, einem Internetzugang und einer Suchmaschine umgehen kann, sowas in wenigen Minuten aufdeckt. Besonders spezialisierte Metasuchmaschinen wie www.kosh.de sind bei dieser Suche nützlich – und immer mehr Prüfer und Lehrer wissen sie auch zu benutzen. Daß Vollplagiate zudem urheberrechtliche Folgen haben können – Schadensersatz, Anspruch auf Unterlassung, u.U. sogar strafrechtliche Folgen – kommt zu dem "Durchgefallen" noch hinzu.

Verräterische Stilwechsel

Jeder Autor hat seinen ganz speziellen Stil, wie der geneigte Leser des BWL-Boten sicher auch schon festgestellt hat. Natürlich gilt das auch für die Autoren von Studien- und Diplomarbeiten. Ändert sich der Stil plötzlich innerhalb der Arbeit, so liegt natürlich ein Anfangsverdacht auf den verdeckten Gebrauch von Quellen vor, und der Korrektor schmeißt seinen Rechner an. Was dann kommt, kann man sich denken – übrigens auch, wenn aus Büchern abgeschrieben wird: bald soll es nämlich auch Suchmaschinen geben, die den Text von gedruckten Büchern selbst dann kennen, wenn die gar nicht im Netz stehen. Auch der alte Trick, aus einer geographisch möglichst weit entfernten Arbeit etwa von der Universität von Tokyo abzuschreiben, zieht dann nicht mehr. Wie Vollplagiate führen auch einzelne nicht offengelegte Quellen in der Regel zu einer Benotung "ungenügend", aber zumeist nicht zu weiteren (urheberrechtlichen) Konsequenzen.

Schlechtschreibfehler als Hinweise

Auch lange nach ihrer Einführung hat sich die Schlechtschreibreform (oder wie heißt das richtig?) bekanntlich noch lange nicht durchgesetzt, und viele Autoren schreiben nach wie vor in der alten Ortographie – auch der Verfasser dieses Textes, wie man weiß. Das ist natürlich auch eine Falle: stehen in einer Arbeit, die die neue Schlechtschreibung verwendet, plötzlich "daß", "muß" oder "sogenannt", liegt der Verdacht auf cut'n'Paste nahe – und zudem der Verdacht auf ordinäre Faulheit, denn offensichtlich wurde nichtmal die Rechtschreibprüfung der verwendeten Software bemüht. Und selbst wenn es nicht an der verwendeten Rechtschreibnorm liegt: auch legitime Autoren machen Schreibfehler (was man in meinen eigenen Schriftwerken gewiß ganz gut besichtigen kann). Wer auch diese übernimmt, verrät sich als Plagiator. Cut'n'Paste macht's möglich!

Formatvorlagen, Urheberangaben und andere versteckte Daten im Dokument

Viele Textverarbeitungsprogramme verwalten den Namen des Autors, des Überarbeiters und eine Menge anderer nützlicher Informationen, die auch der Aufdeckung eines Plagiats dienen können: ist als Autor, abzufragen mit der rechten Maustaste auf Dateisystemebene, ein Anderer als der auf der Titelseite angegebene Autor genannt, so liegt der Anfangsverdacht auf ein Vollplagiat vor – so einfach ist das! Vielfach lassen sich auch Bearbeitungsschritte zurückverfolgen, die sogar ermöglichen, jede einzelne Cut'n'Paste-Aktion des Plagiators genau festzunageln. Manche Prüfer verlangen daher schon die Abgabe von Word-Dateien – für den Autoren (oder den Plagiator) hingegen ist alleine die Abgabe einer gedruckten Arbeit oder einer PDF-Datei ein wirksamer Schutz vor solchen Nachforschungen.

Schwerer aufzudeckende Plagiate

Schon etwas schwieriger, aber auch arbeitsintensiver für den Plagiator ist es, aus fremdsprachigen Quellen nicht abzuschreiben, sondern zu übersetzen. Dann kann der Prüfer nämlich nicht mehr nach der Originalquelle googeln, weil der den Originalwortlaut ja nicht kennt, und das Netz verschafft dem fleißigen Plagiator Zugang zu Arbeiten, die früher weit außerhalb der Reichweite gewesen wären, je ferner, desto besser. Durch die Übersetzung fällt übrigens auch das Problem mit mitkopierten Schreibfehlern und dem Stil der Originalquelle fort, und falls man zufällig weiß, daß der Prüfer die Sprache, in der das Original verfaßt ist, nicht beherrscht, ist man fast auf der sicheren Seite.

Geklaute Daten

Arbeiten, die auf empirischen Daten basieren, werden oft in Wirklichkeit auf geklaute oder gefälschte Daten begründet: Ein Plagiat liegt in diesem Zusammenhang vor, wenn fremde Daten ohne Angaben der Herkunft verwendet werden, und eine Fälschung besteht im Erfinden von Daten. Beides sind schwere Verfehlungen, aber im Wissenschaftsbetrieb bei der Jagd nach Fördermitteln und lukrativen Anstellungen immer häufiger, aber auch schwer aufzudecken, weil – anders als beim eigentlichen Text der Arbeit – die ihr zugrundeliegenden Daten ja in der Regel nirgendwo ergoogelt werden können. Viele Fakultäten verlangen daher die Abgabe der Quelldaten in computerlesbarem Format (SPSS, Access, Excel), um die Prüfung der Zahlen für den Betreuer zu erleichtern.

Der Ghostwriter

Ghostwriter ist, wer für einen anderen etwas schreibt und dabei nicht selbst in Erscheinung tritt. Fast alle Reden von Politikern sind von Ghostwritern verfaßt worden – oder glauben Sie, daß diese Dummies sich selbst ausdenken, was sie da im Parlament so alles von sich geben? Was in der Politik erlaubt ist, wird in Studien- udn Diplomarbeiten jedoch bei Aufdeckung mit einem Durchfaller gewertet, ist aber schwerer aufzudecken, weil es i.d.R. keine objektiv prüfbaren Quellen gibt. Allerdings finden die meisten Prüfungsausschüsse es ziemlich leicht, den Ghostwriter-Kandidaten in der Verteidigung der Diplomarbeit mit ein paar gezielten Fragen zur eigenen Arbeit (und ihren fachlichen Hintergründen) zu kippen, was eine sehr peinliche Situation ist. Zudem birgt das noch ein ganz anderes Risiko: wer sich bei einem Ghostwriter bedient, also im Effekt eine Diplomarbeit kauft, ist nämlich ein Leben lang erpreßbar, und zwar um so mehr, je erfolgreicher er später wird.

Harte Folgen

Selbst wenn im Rahmen von Aus- und Fortbildungen das Urheberrecht mit seinen Straf- und Unterlassensregelungen in der Regel gar nicht zu Anwendung kommt, können die Folgen eines aufgedeckten Plagiats doch hart sein. So bewerten viele Professoren Plagiate insgesamt mit einem "Durchgefallen", selbst dann, wenn der Plagiator nur ein, zwei Sätze abgeschrieben hat. Bedenkt man, daß die Zahl der in den meisten Studiengängen abzulegenden Prüfungen begrenzt ist, hat man auf diese Art einen wertvollen Versuch vergeudet – und wenn's schon die letzte Wiederholung war, am Ende sogar endgültig verloren. Ob es das Risiko wert ist, muß jeder für sich selbst entscheiden.

Links zum Thema

Forum für Betriebswirtschaft | Hinweise für die Erstellung von Studienarbeiten, Praktikumsberichten und wissenschaftlichen Arbeiten |Geht die Schlechtschreibreform auf ein Nazi-Projekt zurück? | Die innerbetriebliche Wertschöpfungskette: Unzeitgemäße Erwägungen | Die gesamtwirtschaftliche Wertschöpfungskette: mehr unzeitgemäße Erwägungen (interne Links) | www.cheatweb.de |www.fundus.org | www.gute-noten.de | www.hausarbeiten.de | www.homeworx.net www.student-online.de |www.zum.de (externe Links).

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