Steuerquote bei Arbeitnehmern 2004: kein nennenswerter Rückgang

Teilen

Nachdem sich die Politiker letzte Woche auf eine abgespeckte Steuerreform geeinigt haben, die immerhin noch eine Senkung der Lohn- und Einkommensteuer für 2004 sowohl im Vergleich zu 2003 als auch im Vergleich zur ursprünglichen Planung für 2004 ergeben hat, machte sich vielfach eine Hoffnung auf eine Senkung der Steuer- und Abgabenquote bei Arbeitnehmern breit. Leider ist diese Hoffnung aber ein Trugschluß: eine wesentliche Änderung ist nicht eingetreten. Es gibt nur eine Illusion (durch eine etwas höhere Nettoauszahlung), aber nicht tatsächlich mehr verfügbares Geld im Portemonnaie. Wir werden also wiedermal belogen. Aber sehen Sie selbst:

Die folgende Modellrechnung, die heute auf der Zingelseite neu erschienen ist, berücksichtigt anders als vergleichbare Rechenmodelle, nicht nur die direkten Steuern und Zwangssozialversicherungen des Arbeitnehmers, sondern bezieht auch den Arbeitgeberanteil in die Berechnung mit ein, und macht schließlich (vereinfachende) Annahmen über indirekte Steuern und Abgaben. Das Ergebnis ist erschreckend:

Brutto-Monatsgehalt: 2.000,00 €
./. Lohnsteuer (Tabelle 2004): 266,63 €
./. Solidaritätszuschlag 5,5%: 14,66 €
./. AN-RV (BfA) 19,5%: 195,00 €
./. AN-KV (z.B. AOK) 14,8%: 148,00 €
./. AN-ALV 6,5%: 65,00 €
./. AN-PV 1,7%: 17,00 €
= Netto-Auszahlung: 1.293,71 €
./. Praxisgebühren (monatlich): 3,33 €
./. Sonst. Gesundheitskosten: 20,00 €
./. Kfz-Steuer (Schätzung): 30,00 €
./. Kfz-Versicherung (Schätzung): 60,00 €
= Netto minus direkte Abzüge: 1.180,38 €
./. USt. (MWSt.) 16% auf 75% der Ausgaben: 122,11 €
./. USt. (MWSt.) 7% auf 25% der Ausgaben: 19,31 €
./. Benzinsteuer 0,7210 €/Liter, 80 Liter Verbrauch: 57,68 €
./. Verbrauchssteuer (Schätzung): 100,00 €
./. AfA Auto 4 Jahre Nutzung, 8.000 € Neuwert: 166,67 €
= Verwertbares Realeinkommen: 714,62 €
= Brutto-Abgabenquote: 64,27%
Berufsgenossenschaft 10%: 200,00 €
= AG-SV inkl. BG: 625,00 €
= Gesamter Personalaufwand: 2.625,00 €
= Real-Abgabenquote: 72,78%

Wohin das führt, haben wir vor einiger Zeit schon untersucht. In diesem Zusammenhang genügt die Anmerkung, daß Deutschland sich tatsächlich bewegt: von einer Real-Abgabenquote von 72,61% in der vergleichbaren Rechnung für 2003 auf nunmehr 72,78% in 2004. Das ist wahrlich eine durchgreifende Steuerreform, eine tiefgreifende Entlastung des Arbeitnehmers, von der wir eine sprunghaft ansteigende Ausgabefreudigkeit in den letzten Tagen vor Weihnachten, eine deutliche konjunkturelle Erholung im kommenden Jahr und eine spürbare Entlastung auf den Arbeitsmarkt erwarten können. Und natürlich ist Schwarzarbeit durch diese großartige Neuerung nicht mehr attraktiv… ich bedanke mich also bei den Politikern, die für ihr bekanntermaßen mageres Entgelt sich zu einer so großzügegen Geste durchringen konnten!

Links zum Thema: Die vollständige Veröffentlichung auf der Zingelseite | Arthur B. Laffer und die Kleptokratie | Fällt die Tabaksteuererhöhung aus? | »Familienkasse«: Die nächste Zwangsversicherung? | Bürgerversicherung: Die Leitbilder der Zwangsmentalität | Benzin für 27 Cent (52,9 Pfennig) pro Liter (interne Links)

Ähnliche Themen, die Ihnen gefallen könnten