Grundzüge des Wissensmanagements

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Wissensmanagement-Strategien werden in der Informationsgesellschaft und der sich entwickelnden virtuellen Wirtschaft immer bedeutsamer. Kannte Karl Marx den Produktionsfaktor "Information" nicht nicht als eigenständiges Phänomen, so macht der Preis für Information heute den wesentlichen Teil des Wertes vieler Güter aus. Dieser auf Anregung eines Lesers geschriebene Artikel gibt einen kleinen Einblick in die neuen Inhalte zum Wissensmanagement, die im Lexikon für Rechnungswesen und Controlling und auf der BWL CD enthalten sind.

Was ist Wissen?

Wissen ist Erkenntnis, also der Erfolg des Erkennens; das feste, eindeutige Bewußtsein, um oder von etwas, die Darstellung des Seins im Bewußtsein des Subjekts. Wissen ist damit objektiv der Besitz einer Summe von Erkenntnissen, subjektiv aber die jederzeitige Bereitschaft zur Aktualisierung von Erkenntnissen, also zur Anpassung an die Wirklichkeit (nach Eisele, "Wörterbuch der philosophischen Begriffe", Berlin 1904, 2. Bd., S. 793f). Der Begriff hat eine lange Tradition und geht im Westen u.a. auf die Griechen zurück. Protagoras löst das Wissen in Einzelerkenntnisse auf, und nach Sokrates ist Wissen die Erkenntnis der Idee, von der Platon lehrt, also die Erkenntnis des Allgemeinen, Typischen. Bei Augustinus ist Wissen das Erfassen und Begreifen durch die Vernunft, und bei Nicolaus Cusanus gibt es eigentlich überhaupt kein Wissen (De docta ignorantia, I.1).

Wissensmanagement

Unter "Wissensmanagement" versteht man den Prozeß der Sammlung, Strukturierung, Verbreitung und Anwendung von Wissen. Durch Wissensmanagement wird aus Information anwendbares Wissen. Wissensmanagement ist, wenngleich auch nicht unter diesem Namen, seit Jahrtausenden bekannt und praktiziert; Priester, Schreiber, Lehrer, Politiker, Bibliothekare aber auch Programmierer und Web-Designer, ja selbst Makler und Verkäufer, sind alle mit Wissensmanagement befaßt. Auch dieses Werk, und die CD, auf der es veröffentlicht wird, ist ein Stück praktisches Wissensmanagement.

Keine verbindliche Definition

Wie meistens bei so alten und tiefverwurzelten Begriffen, existiert keine allgemeinverbindliche Definition. Wir präsentieren daher hier eine Reihe von Elementen des Wissensmanagements, die dem Leser eine Annäherung an dieses komplexe Gebiet ermöglichen sollen.

Wichtige Teilgebiete

Daß das Wissensmanagement insbesondere in der Informationsgesellschaft von immer größerer Bedeutung ist, versteht sich von selbst. Man könnte daher einleitend auch ausführen, daß erst durch Wissensmanagement aus dem Rohstoff Information ein anwendungsbereiter Produktionsfaktor entsteht. Einige wichtige Bereiche des Wissensmanagement sind:

  • Epistemologie: Erkenntnistheorie; die Lehre von der Natur und Begründung des Wissens.
  • Etymologie: Die Lehre vom sprachlichen Ausdruck und seiner Veränderung über die Zeit.
  • Morphologie: Die Lehre von den den Dingen zugrundeliegenden Mustern und Strukturen.
  • Ontologie: Die Lehre vom Wesen des Seins.
  • Taxonomie: Die Lehre von der Systematik von Objekten, die zu ihrer Klassifizierung und Ordnung benutzt wird.

Betriebliche Anwendungsbereiche

Wissensmanagement ist für die Betriebswirtschaft nur interessant, wenn es konkret anwendbar ist. Daher haben sich im betrieblichen Bereich im Laufe der Zeit die folgenden Teilgebiete herausgebildet:

  • Corporate Knowledge: Das kollektive Potential an Erfahrungen und Wissen, das in einer Organisation verfügbar ist, für geplante wie für ungeplante Situationen.
  • Corporate Knowledge Management: Der Prozeß, durch welchen (betriebliche, organisationsinterne) Wissensnachfrager mit den (betrieblichen oder außerbetrieblichen) Quellen von Wissen verbunden und beim Erwerb und der Anwendung dieses Wissens unterstützt werden.

Wissensmanagement-Aktivitäten

Das Wissensmanagement unterliegt im Bereich der Betriebswirtschaft utilitaristischen Anforderungen. Es kann daher folgendermaßen kategorisiert werden (wobei diese Kategorisierung selbst ein Beispiel für eine Taxonomie im oben dargestellten Sinne ist):

  • Knowledge Analysis: Der Prozeß, eine Wissensquelle auf ihre Anwendbarkeit und Nützlichkeit hin zu untersuchen. Knowledge Analysis ist der erste Schritt des Wissensmanagements und trennt nützliche von nutzlosen Informationen, also gleichsam das Erz vom tauben Gestein. Die wichtigsten Instrumente sind die Didaktik, also die Lehre von der Vermittlung und Aneignung von Wissen, und die Modelltheorie.
  • Knowledge Asset: Jeder Vermögensgegenstand, der Wissen enthält oder darstellt oder aus Wissen besteht. Ein Knowledge Asset kann daher immateriell sein, es kann in den Fähigkeiten und Fertigkeiten eines Mitarbeiters bestehen (Humankapital) und sich damit außerhalb der Bilanzierung befinden, aber auch etwa in einer Software bestehen, die Wissen vermittelt oder bereithält. Dieses Werk, und die CD, auf der es veröffentlicht wird, sind selbst Knowledge Assets. Ähnlich wie Vermögensgegenstände im bilanziellen Sinne auch unterliegt jedes Knowledge Asset einer Art Abschreibung in Form eines langsamen Verfalles, dem nur durch ständige Pflege, Anwendung und Erweiterung, d.h., durch viel Arbeit entgegengewirkt werden kann. Anders als fast alle anderen Formen von Vermögensgegenständen kann ein Knowledge Asset daher nie durch Geld alleine erworben oder erhalten werden.
  • Knowledge Planning: Im Anschluß an die Knowledge Analysis, also nachdem eine grundsätzliche Orientierung erworben wurde, kann das verfügbare und erwerbbare Wissen in einer nützlichen, zukunftsorientierten und oberzielkonformen Weise genutzt werden. Dies kann durch menschliche oder maschinelle Wissensträger geschehen (z.B. bei Expertensystemen). Ausbildungs- und Schulungspläne sind häufige Erscheinungsformen von Knowledge Planning.
  • Knowledge Technology: Alle Techniken und Methoden, die Wissen auf konkrete Situationen anwenden, also das Wissen wirklich anwenden.
    Knowledge Technology kann technisch orientiert sein, und betrifft die angewandte Hardware ebenso wie die darauf laufende Software. Im weitesten Sinne kann man jede Software im Controlling als Element der Knowledge Technology verstehen. Durch Wissensmanagement wird damit der Produktionsfaktor "Information" zum Kernfaktor. Die zunehmende Bedeutung dieses Produktionsfaktors wird gut dadurch deutlich, daß Karl Marx den Produktionsfaktor Information noch überhaupt nicht kennt, während heute Softwareunternehmen vielfach ausschließlich aufgrund dieses Produktionsfaktors überhaupt arbeiten können.
    Man kann den Begriff auch nichttechnisch auslegen, und dann z.B. die zahlreichen Kreativitätstechniken ebenso dazuzählen wie die die Summe aller angewandten Führungstechniken. Knowledge Technology ist dann die zwischenmenschliche Anwendung von Wissen im Rahmen von interpersonellen Transaktionen. Jede Management-Technik ist damit als angewandtes Wissensmanagement zu verstehen.

Konkrete Anwendungen

Wissensmanagement hat vielfältige Anwendungen und Auswirkungen im Betrieb. Eine Vielzahl von Funktionen sind eigentlich Anwendungen von Wissensmanagement, auch wenn sie traditionell nicht als solche bezeichnet werden:

  • Optimierungstechniken: Die verschiedenen Verfahren und Methoden des Operations Research sind im Grunde nichts als angewandtes Wissensmanagement in bezug auf spezifische, mathematisch modellierbare Probleme.
  • Qualitätsmanagement: Alle Inhalte des Qualitätsmanagement, insbesondere des Total Quality Management, sind eigentlich nur Anwendungen und Erweiterungen von Wissen. Das wird insbesondere dadurch deutlich, daß in den TQM-Preisen ständige Innovations- und Lernschritte im Vordergrund stehen.
  • Risikomanagement, Bonität, Rating: Alle Formen der Bonitätsprüfung und des Ratings sind im Grunde nur Formen der Anwendung von Wissen auf bilanzielle Zahlenwerke. Ähnliches gilt für die Risikoanalyse. Die Risikoberichterstattung im Lagebericht ist damit eigentlich nur die Summe internen Wissensmanagements.

Links zum Thema

Wie aus Lernen Erfolg gemacht wird (interner Link). Dieser Artikel stellt im Grund das Wissensmanagement-Konzept der BWL CD dar.

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