»Geist ist geil«: Wohin führen die Studentenproteste?

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Es gibt wieder Studentendemos in Deutschland, wie Ende der 60er Jahre, doch diesmal geht es um ganz andere Ziele: nicht die Veränderung der Gesellschaft, nicht das "Schweinesystem" der auf Leistung und Karriere errichteten produktiven, Volkswirtschaft, sondern die Spar- und Einschränkungspolitik der rot-grünen Regierung ist.

Von der Magersucht der Bildung

Professorenstellen werden gestrichen, ganze Hochschulen (wie derzeit möglicherweise die HWP in Hamburg) sind von Schließung bedroht, und Ressourcen werden immer knapper: das macht das fröhliche Studentenleben zu einem wenig lustigen Kampf, zum Kampf um Bücher in der Bibliothek, Rechnerzeit im Rechenzentrum, Sprechstunden bei den Professoren, Sitzplätze in überfüllten Hörsälen, kurz um alles, was knapp und kostenlos ist. Die permanente Reduktion öffentlicher Leistungen kenne ich schon aus meiner eigenen Studentenzeit, und die ist inzwischen zwanzig Jahre her. Seitdem dürfte es kaum besser geworden sein. Selbst die Debatte um Studiengebühren gab es schon Mitte der 80er Jahre, auch das ist also nicht neu. Die Bildung ist also schon seit längerer Zeit dabei, eine Ware zu werden.

Nicht nur im akademischen Bereich

Auch aus den öffentlich geförderten Bildungsmaßnahmen des Arbeitsamtes kenne ich das: die ständigen Sparorgien, die Unternehmen in die Insolvenz reißen, Intrigen um knappe Stellen und Aufträge fördern und die Kollegen, die fähig sind, wirklich etwas zu vermitteln, in andere Jobs abwandern lassen. Zum Beispiel in die, die besser und vor allem pünktlicher bezahlt werden. Das hat weder dem Niveau noch den Teilnehmern von öffentlich geförderten Bildungsmaßnahmen gutgetan.

Maschendrahtzaunübergreifende Einigkeit beim Kaputtsparen

Interessant ist, daß diese Beobachtung über alle Zankgrenzen hinweg gilt: alle Regierungen kündigen die Förderung der Bildung an, tun aber das Gegenteil. Nur daß die Sparorgie unter Kohl und Waigel vor der Wahl stattfand, unter Schröder aber danach: so waren 1993 und 1997 katastrophale Jahre im Bildungsgewerbe, aber nach dem Antritt von Rot-Grün ging es trotz markiger Sprüche vor der Wahl seit ca. dem Jahr 2000 mit der Bildung noch viel schneller bergab als unter Kohl, wobei jedes Jahr ein mittleres Jahr war: schlechter als das Vorherige, aber noch immer besser als das Folgende…

Wie geil ist der Geist wirklich?

Doch die derzeitigen Proteste greifen zu kurz, und das ist, warum sie nichts erreichen werden: die derzeit sparen und die Bildung kaputtmachen, sind nämlich genau die, die vor 35 Jahren selbst als Studenten auf die Straße gingen, aber damals nicht wegen Studiengebühren oder knappen Plätzen in Hörsaal und Mensa, sondern zur Umgestaltung des Systems, zur Förderung der Revolution. Damals, als es noch keine Studiengebühren gab, dafür aber genügend Lehrbücher und Professorenstellen, wollte man die maoistische Kulturrevolution: jetzt hat man sie, und genau das, was man dem Sozialismus immer nachsagt, passiert: schickt man einen sozialistischen Ökonom in die Wüste, wird in drei Jahren der Sand knapp. Schickt man maoistische Rebellen wie Schröder, Trittin, Fischer oder seinen Hosenschlitz-Kumpanen Cohn-Bendit ins Parlament, wird in ein paar Jahren alles knapp, die Energie, die Arbeitsplätze, und eben auch die Bildung.

Das wahre Ziel

Jetzt, da wir erneut den Sozialismus auf deutschem Boden erleben, inzwischen also zum dritten Mal denselben Fehler machen, könnten wir langsam einsehen, daß der Staat ein schlechter Vater ist, und zwar nicht nur der rot-grüne, sondern jeder Staat. Anstatt nach mehr Büchern und mehr Professorenstellen zu rufen, müßten die Studenten zur Konterrevolution blasen, ganz so, wie ihre Mütter und Väter einst für die Revolution auf die Straße gingen. Sie sollten nicht das Symptom in Frage stellen, sondern die Ursache. Es geht nicht wirklich um zu volle Hörsäle, sondern um das Überleben der Nation. Wir brauchen keinen Regierungs-, sondern einen Regimewechsel. Die jetzt, da die Bildung baden geht, werbewirksam in die Spree gehüpft sind, werden nicht mehr Geld in die leeren Kassen zaubern, und daher auch nicht mehr Professoren erhalten, solange sie nicht das System ändern, das ihre Eltern geschaffen haben, und das die schwerwiegendste Wirtschafts- und Sozialkrise in Deutschland seit dem zweiten Weltkrieg herbeigeführt hat.

Wer aus der Geschichte nichts lernt…

…ist dazu verurteilt, sie zu wiederholen. Aber es gibt noch Hoffnung: da das derzeitige ökosozialistische System der BRDDR innerlich so versteinert und so in seine grüne Ideologie verbohrt ist, daß es aus sich selbst heraus nichtmal mehr zu einer Steuerreform fähig ist, kann der Anstoß nur von außen kommen. Zum Beispiel aus der Studentenschaft. Die hat jetzt nämlich die Chance zu beweisen, wie geil der Geist wirklich ist.

Links zum Thema

Bildung als Ware: Über Reformen und Reförmchen im deutschen Bildungssystem | Handys, Quake und BMW: Erfahrungsbericht eines Dozenten | Die reale Zahl: 7,2 Millionen Arbeitslose? | EU-Kommissarin warnt vor Energie-Engpässen ab 2007 | Michael Jackson und Daniel Cohn-Bendit, oder von den Vorrechten der politischen Kaste (externe Links)

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