Maut-Kostenrechnung: es ist noch viel teurer

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Die Medien machen uns glauben, daß die Einführung einer Autobahnmaut bevorstehe, und daß diese "nur" im Durchschnitt 12,4 Cent pro Kilometer kosten werde. Beides ist nicht wahr. Während wir schon berichteten, daß in Wirklichkeit nur die bisherige Mautvignette auf eine kilometerabhängige Erhebungsmethode umgestellt wird, offensichtlich auch, um die Kontrolle der Fahrzeugbewegungen zu verbessern (weshalb die Maut ja auch bald auf alle Fahrzeuge ausgedehnt werden soll), diskutiert dieser Beitrag, weshalb die Kosten in Wirklichkeit viel höher als 12,4 Cent/km sind, also zwischen Kilometergebühr und tatsächlichem Kostensprung ein Multiplikator besteht.

Kostenarten der Straßenmaut

Der eigentliche Mautbetrag pro Kilometer ist vermutlich nur der kleinste Teil der wahren Mautkosten, jedenfalls aus Kostenträgersicht betrachtet. Denn nicht alle Kilometer fährt ein Fahrzeug im Kundenauftrag; Leerfahrten sind unvermeidlich. Die dabei ebenfalls anfallenden Mautgebühren sind Gemeinkosten, und müssen auf die Kunden umgelegt werden. Weiterhin haften nach dem neuen Autobahnmautgesetz der Fahrzeughalter, der Unternehmer und der Fahrer (!) gesamtschuldnersich (!!) für die Maut, was in der Praxis bedeutet, daß ein Arbeitnehmer die Maut für seinen Arbeitgeber zahlen muß, wenn dieser insolvent ist. Arbeits- und zivilrechtlicht Streitigkeiten sind damit vorprogrammiert, was weitere Kosten verursacht. Weiterhin sind lange Zahlungsziele im Verkehrsgewerbe üblich; die Erhebung der Maut wartet aber nicht. Es entstehen in diesem Zusammenhang also Finanzierungskosten für die Maut, die der Unternehmer vorstrecken muß – wie er auch schon die Umsatzsteuer vorschießt. Diese Finanzierungskosten erscheinen als kalkulatorische Zinsen. Schließlich trägt der Unternehmer, anders als bei der Umsatzsteuer, das alleinige Mautrisiko, d.h., kriegt die Maut für gefahrene Strecken nicht erstattet, wenn der Kunde nicht zahlt (wie es bei der Umsatzsteuer der Fall wäre). Dies führt zu einem kalkulatorischen Wagnis (oder vielleicht denkt sich die Versicherungswirtschaft ja was dafür aus). Und schlußendlich muß der Unternehmer die Maut verwalten, was ebenfalls Kosten verursacht.

Umlage auf den Kostenträger

Für jeden Mautkilometer müßte man also viel mehr auf den Kunden umlegen, als der Mautkilometer auf der Autobahn selbst kostet: Anteilige Leerkilometer, Ausfallrisiko, Finanzierungszins und anteilige zusätzliche Verwaltungskosten. Dies würde, ohne jetzt hier ein Zahlenspielchen versuchen zu wollen, den Streckenkilometer um ein Mehrfaches der eigentlichen Mautgebühr verteuern. Da aber in der derzeitigen Wirtschafts- und Sozialkrise auch die Verkehrswirtschaft schon an der absoluten Schmerzgrenze kalkuliert, ist die Befürchtung berechtigt, daß diese Erhöhung sich nicht durchsetzen läßt – wenn man nicht gerade ein Monopolist oder Quasi-Monopolist ist, wie etwa die Deutsche Post, die die Maut auf die Gebühren aufschlagen kann. Was also dann?

Arbeitsmarkt- statt Umweltwirkung

Arbeitet ein Unternehmen auf Dauer unter den Gesamtkosten, so geht es entweder pleite, oder ins Ausland. Neben einer Vertiefung der jetzt schon bestehenden Pleitewelle ist also zu befürchten, daß sich in Zukunft noch mehr Speditionen in Billiglohnländer verflüchtigen. Sie zahlen dann zwar in Deutschland dieselbe Maut, fahren aber mit viel günstigeren Fahrern. Im Effekt zahlt also der Arbeitnehmer die Zeche, durch Arbeitsplatzverlust – und die Polen, Ukrainer und wer-sonst-noch reiben sich die Hände für einen Hungerlohn, der nach dortigen Verhältnissen vielleicht sogar noch ganz anständig ist.

Sicherheit und Unfallrisiko

Nicht alle bulgarischen, türkischen oder ähnlichen Fahrzeuge entsprechen deutschen Standards, und es darf vermutet (oder: befürchtet) werden, daß insgesamt geringere technische Standards und schlechterer Zustand der Fahrzeuge, verbunden mit u.U. viel längeren Fahrstrecken und Lenkzeiten, sich in einer größeren Zahl und Schwere der Unfälle äußert. Wir prognostizieren also schon bald nach Einführung der Mauzt auch eine Verschärfung des Unfallgeschehens auf deutschen Straßen wegen des Ausweichens auf ausländische Billiganbieter wie auch wegen des Ausweichens auf (noch!) nicht mautpflichtige Landstraßen, wo durch die größere Enge und dichteren Verkehr mit Verkehrsteilnehmern wie Fahrrädern und Kinderwagen ebenfalls mehr und heftigere Unfälle zu erwarten sind.

Wer zahlt wirklich die Maut?

Wir vermuten also, daß neben dem deutschen Arbeitnehmer, der wegen der Maut seinen Job verliert, und dem deutschen Fuhrunternehmer, der aus dem gleichen Grund sein Unternehmen und damit seine Existenz verliert, auch der allgemeine Verkehrsteilnehmer die Zeche zahlt, und zwar mit seinem Leben, das er bei den kommenden schweren Unfällen verliert. Daß der Konsument und die allgemeine Bevölkerung durch die generelle Verteuerung aller Produkte ebenfalls die Maut zahlen, versteht sich dabei von selbst.

Volkswirtschaftliche Auswirkungen

Ich postuliere in diesem Zusammenhang, daß die vielfachen negativen Auswirkungen der neuen Abzocke-Maut (nämlich Pleiten, Arbeitslosigkeit, Unfallopfer mit den entsprechenden gesundheitlichen Nachfolgekosten und genereller Teuerung) in ihrem volkswirtschaftlichen Schaden die staatlichen Einnahmen beiweitem übersteigen. Markttheoretisch gesehen besteht zwischen der Maut-Einnahme und den direkt oder indirekt auf diese Abgabe zurückzuführenden volkswirtschaftlichen Kosten ein hochgradig negativer Multiplikator, d.h., je Euro Mauteinnahme verliert das Land mehrere Euro aufgrund der dargestellten negativen Auswirkungen. Ob das den Politikern, oder ihren Beratern, die uns dieses Desaster eingebracht haben bekannt war, weiß ich nicht, aber ich vermute es. Sollte ich mit dieser Vermutung recht haben, so liegt möglicherweise eine kriminelle Verletzung des Amtseides vor, den Politiker und der Bundeskanzler als oberster Verantwortlicher bekanntlich auf das Wohl des Deutschen Volkes schwören, aber das Deutsche Volk profitiert hiervon ganz gewiß nicht.

Links zum Thema

Gesetz über Autobahnmaut tritt in Kraft | Europaweites Mautsysteme für alle Fahrzeuge wird schon vorbereitet | Nach der Maut für alle: was ist das nächste Projekt? | Skript zur Kostenartentheorie | Arthur B. Laffer und die Kleptokratie (interne Links)

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