Erste Stromabschaltungen in Italien: wann wird auch in Deutschland rationiert?

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In Italien ist vor zwei Wochen passiert, was der BWL-Bote schon seit längerer Zeit befürchtet: es gab die ersten Stromabschaltungen wegen akuten Energiemangels. Die Frage, wann auch bei uns, im Lande der CO2-Neurose und des Nachhaltigkeits-Wahnes die ersten Lichter ausgehen, ist damit nicht mehr nur theoretisch, sondern von praktischer Relevanz.

Die anhaltende Hitzewelle hatte in Italien den Stromverbrauch massiv in die Höhe getrieben, denn anders als die Deutschen, die bekanntlich keine Klimaanlagen mögen, stellten die Italiener bei zunehmenden Temperaturen ihre Klimageräte immer höher. Zudem hat Frankreich wegen erhöhten Eigenbedarfes aus demselben Grund den Stromexport seines billigen Atomstromes gedrosselt. Die italienischen Stromversorger sahen sich daher genötigt, kurzfristig bis zu 5% der Verbraucher abzuschalten – ohne Vorwarnung. Das Chaos muß unbeschreiblich gewesen sein.

noch die tieferen Ursachen der möglicherweise erst beginnenden italienischen Energiekrise könnten denen in Deutschland gleichen: eine jahrzehntelang verfehlte Energiepolitik gefolgt von einer innovations- und investitionsfeindlichen Deregulierung haben die Kapazität immer weiter reduziert während der Bedarf kontinuierlich anstieg. So weht auch in Italien der Wind nicht immer dann, wenn Rot-Grün Wirbel macht, so daß "konventionelle" Energiequellen nicht aufgrund der Installation von "erneuerbaren" Energiequellen abgeschaltet werden dürften, weil die Naturkräfte sich nicht nach menschlichen Bedürfnissen richten. Kein Wunder also, daß an heißen und windstillen Sommertagen, an denen der Energiebedarf besonders groß ist, es erstmals nicht mehr gereicht hat.

Und das könnte in den kommenden Jahren schlimmer werden: die Deregulierung hat nämlich zu einem Preiswettbewerb unter den Energieversorgern geführt, die investitionsbehindernd wirkt, weil Strom nur über den Preis (und nicht seine angeblich gelbe Farbe) verkauft wird und daher alle nicht absolut kurzfristig notwendigen Investitionen zur Kostensenkung unterlassen werden. In Italien ist der Kraftwerksbau daher wie in Deutschland seit Ende der 90er zum Stillstand gekommen. Trotz steigender Nachfrage sinkt deshalb die installierte Kapazität, also das verfügbare Angebot. Der Ökostaat folgt nicht den Bedürfnissen der Bürger, sondern institutionalisiert die Verknappung und in ihrer Folge die Verarmung, bedient sich aber – und das unterscheidet ihn vom Sozialismus – des Marktes (oder was der dafür hält).

Früher galt es als schick, sich ökologisch zu profilieren, aber gebracht hat uns das einen rabiaten Ökologismus, der aus Industrienationen schon jetzt Drittweltländer gemacht hat. Wenn sich nicht bald was ändert, werden Rationierung und Kontingentierung bald die Stichworte der Energieversorgung sein. Sogar Kalifornien hat das schon erlebt – Stromknappheit im Musterland der Marktwirtschaft -, was man aber in der europäischen Diskussion gerne verdrängt. In der DDR hieß es einst, von der Sowjetunion zu lernen hieße siegen zu lernen. Wann also folgt der amerikanische Musterschüler mit kalifornischen Maßnahmen?

Links zum Thema: "…mit vollen Händen": Gedanken zur Energie und Marktwirtschaft | Auf dem Weg in die Planwirtschaft: Kommentar zum "Gesetz für den Vorrang Erneuerbarer Energien" | Windkraft im Jahre 2002: alles wird teurer, nichts wird besser | Photovoltaik-Kostenrechnung: 2,22 Euro pro Kilowattstunde! | CO2-Neurose und Nachhaltigkeits-Wahn (interne Links)

 

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