Gehälter und Berufsaussichten der Betriebswirte nach der Ausbildung

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Immer wieder wird im Forum für Betriebswirtschaft diskutiert, was für ein Gehalt man wo erreichen kann. Dieser kleine Beitrag nimmt diese natürlich für Berufseinsteiger besonders relevante Frage kritisch unter die Lupe, und gibt Empfehlungen speziell für Betriebswirte.

Ein Tabuthema

Die Sache ist schwer zu recherchieren, denn über das Gehalt zu reden ist oft sogar ein Kündigungsgrund – Geheimniskrämerei wird damit vertraglich festgeschrieben. Aus gutem Grund: wollen Arbeitgeber doch ihre Mitarbeiter ungleich behandeln können, ohne daß dies zu viel Unruhe in den Betrieb bringt.

Das richtige Bundesland…

Wer einen Karrierestart in Deutschland plant, ist offensichtlich gut beraten, sich zuvor eine geographische Auswertung anzutun, denn die offenbart zum Teil drastische Unterschiede. So liegt das Einstiegsgehalt für Wirtschaftswissenschaftler in Thüringen so bei ca. 22.000 €, in Nordrhein-Westfalen aber ungefähr auf Bundesdurchschnitt in der Gegend bei 36.000 €, in Bayern um die 38.000 €, aber für Mecklenburg-Vorpommern unter 20.000 € – nach Daumenpeilung so etwa die Hälfte.

…die richtige Branche…

Im Moment scheint es noch so zu sein, daß die Industrie mit durchschnittlichen Einstiegesgehältern um die 35-45 T€ am besten zahlt, während es in vielen Dienstleistungsbranchen mit 30-35 T€ schlechter aussieht. Bestimmte Branchen sind dabei besonders unterrepräsentiert, etwa das Baugewerbe, dessen Einstiegsgehälter oft nur bei 25 T€ liegen, und im Osten noch geringer sind, weil dort die Krise am Bau tiefer geht als im Westen.

…und der richtige Job!

Für alle Branchen gibt es berufsbezogene Übersichten, die sorgfältig studiert werden wollen. So kann ein frischgebackener Betriebswirt etwa als Controller in der Industrie mit so ca. 38.000 bis 39.000 Anfangsgehalt rechnen; als "kaufmännischer Angestellter" sind es nur so um die 27.000 €/Jahr – und der gleiche Job bringt im Handel gerade mal 23.000 €. Auch hier greifen zum Teil drastische regionale und sektorale Differenzen: Aus Erfurt, also immerhin einer deutschen Landeshauptstadt, sind mir persönlich Absolventen bekannt, die neben ihrem Job noch immer Geld vom Sozialamt beziehen, und daß viele Kellner und Friseure im wesentlichen von Trinkgeldern leben, ist ebenfalls eine traurige Tatsache. Volkes Mund tut wie immer Wahrheit kund: Was sagt ein arbeitsloser Betriebswirt zu einem Betriebswirt mit Arbeit? "Zum Bahnhof bitte…".

Der große Einfluß von Papier

Das richtige Papier in der Hand zu haben, kann sich lohnen, oder auch nicht: so kann ein Controller mit Hochschulabschluß mit über 40.000 € rechnen, ohne Abitur und weitere Ausbildung hingegen sind es nichtmal 34.000 € – während aber die Einstiegsgehälter von Außendienstmitarbeitern nicht wesentlich von der Ausbildung abhängen. Aber auch andere Papiere können interessant sein: Besonders solche, die Auslandsaufenthalte belegen, denn das bietet dem Arbeitgeber eine Einsatzmöglichkeit im Ausland – besonders begehrt in einer globalisierten Wirtschaft, die gerade dabei ist, sich aus dem ehemaligen Wirtschaftswunderland Deutschland zurückzuziehen. Die Ratten verlassen bekanntlich das sinkende Schiff – und mit ihnen die guten Kräfte.

Schluß mit lustig

Auch Boom-Branchen sind nicht mehr, was sie mal waren: selbst in der einstmals boomenden Multimedia-Branche sinken die Gehälter, und zwar eher drastisch. So verdient ein Junior-Berater nur noch durchschnittlich 37.006 € (im Vergleich zu 39.536 € in 2002) und ein Service-Techniker schafft es nur noch auf 30.801 € (im Vergleich zu 31.846 € in 2002). Besonders drastisch ist übrigens der Absturz im Vertriebsbereich: verdiente selbst ein Berufseinsteiger dort in 2002 noch durchschnittlich 52.267 €, so sind es in 2002 nur noch 37.965 € – ein Absturz um knappe 28% in nur einem einzigen Jahr.

Vorsicht vor Betrügern

In Krisensituationen sind Pyramidenspiele und get-rich-quick-scams besonders häufig, wie die wachsende Verbreitung von sogenannten Multi Level Marketing Systemen belegt. Solche Modelle, die auch als Network Marketing bekannt sind, beruhen auf progressiver Kundenwerbung und sind gemäß §6c Gesetz gegen den Unlauteren Wettbewerb (UWG) in Deutschland unter Nichtkaufleuten verboten, aber dieses sogar strafbewehrte Verbot wird nicht durchgesetzt. Kerngedanke ist, daß man durch das Werben weiterer "Berater" an deren Provision über viele Ebenen mitverdient – was theoretisch zu ungeahnten Reichtümern führen kann. Aber eben nur für den Mann an der Spitze. Wer glaubt, durch den Einstieg in so ein fast immer unseriöses System zu einem kleinen Vermögen kommen zu können, muß zuvor ein großes Vermögen gehabt haben – das er durch die Einstiegsgebühren, Käufe nutzloser "Produkte" und andere Bosheiten verliert.

Abhängigkeit und Selbständigkeit

Die Deutschen haben eine 150jährige Tradition der Sicherheit und Versorgung in Arbeitsverhältnissen – kein Wunder also, daß das Arbeitsverhältnis so verkrustet und überreglementiert ist wie es halt nun mal ist. Und während die Regierung ihre Reformunfähigkeit jeden Tag aufs neue unter Beweis stellt, laufen alle immer noch dem falschen Ideal des wohlversorgten Arbeitnehmers hinterher. Dabei lohnt sich ein Blick aufs Steuer- und Abgabenrecht: der lehrt nämlich, daß die Steuer- und Abgabenquote eines Arbeitnehmersbis zu 75% betragen kann. Wie es kommt, daß da immer noch so viele in die Abhängigkeit streben, ist mir jedenfalls schleierhaft – und gerade für Betriebswirte ist der Weg in die Selbständigkeit leicht. Berater, ISO-Auditor, Dozent, Gutachter, Controller, Buchhalter – eine Menge Jobs lassen sich auch freiberuflich machen, sogar vom Vertrieb einer ominösen BWL CD kann man ganz gut leben, wer hätte das gedacht. Freilich will die Selbständigkeit gut geplant sein und erfordert eine zielstrebige Vorbereitung – so sollte schon im Studium die erforderlichen Nachweise und Befähigungen erwerben, wer etwa nachher als selbständiger ISO-Auditor gehen will. Auch sind die Arbeitszeiten zu Anfang oft länger und die Gewinne oft schmal – aber der Anstieg der Kurve bei Erfolg ist über die Jahre steiler, und das Risiko, aus einem Arbeitsverhältnis mit einem Fußtritt hinausbefördert zu werden, fällt weg. Ja, und die Steuern. Die sind viel niedriger, wenn man das Steuerrecht entsprechend anwendet. Doch das kann ich von einem ordentlichen Betriebswirt erwarten.

Der radikale Bruch: Ab ins Ausland

Für einen jungen Menschen ist Auswandern beiweitem kein so radikaler Schritt wie für jemanden im vorgerückten Alter, und daher sollte man besonders gegen Ende der Ausbildung darüber nachdenken, wenn es in Deutschland gar nix werden will. Ich wäre beispielsweise Anfang der 90er fast in Africa hängengeblieben – wo Gewerbe-, Bau-, Steuer- und Umweltrecht noch keinen so repressiven Einfluß haben wie es hier der Fall ist. Eine intime Kenntnis des jeweiligen Landes und seiner spezifischen Chancen und Risiken vorausgesetzt kann man so relativ leicht zu Geld und Erfolg kommen. Arabien beispielsweise funktioniert nur dank der vielen deutschen Ingenieure, und die wirklich interessanten Baustellen sind in Bangkok oder in China. Und damit meine ich nicht nur den Transrapid… Für Studenten und Auszubildende ist es übrigens besonders leicht, weil viele Ausbildungen auch Auslandspraktika enthalten, die schon ihrer Karrierewirkung wegen beliebt sind. So gibt es etwa in den USA eine Menge deutsche Studenten, die gute Leistungen gezeigt haben und daraufhin geradezu mit dem roten Teppich eingeladen wurden, sich niederzulassen – was leichtfällt, wenn man beispielsweise in Deutschland zuvor an irgendeiner Zulassungsbeschränkung gescheitert ist. Auch innerhalb der EU ist ein Wechsel ins Ausland einfach, denn der EU-Vertrag schreibt Inländergleichbehandlung für EU-Ausländer vor, also gleiches Recht für alle hinsichtlich Zugang zum Arbeitsmarkt und den Sozialsystemen. Daß Deutschland besonders den Zugang zur Sozialversicherung auch manchen EU-Ausländern noch immer verweigert, gehört dabei zu den eher häßlichen Aspekten, die aber nicht mehr interessieren, wenn man dem einstigen Wirtschaftswunder endgültig den Rücken kehren will.

Links zum Thema

Gehaltsübersicht bei Focus  | Berufsstart Aktuell | IT-Gehälter sinken (externe LinksMulti Level Marketing | Steuerlast und Abgabenquote von Arbeitnehmern | Links zu vielen Stellenmärkten (interner Links)

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1 Reaktion

  1. Achim Müller sagt:

    Ich finde es krass, dass die Wahl des richtigen Bundeslandes für den Berusstart so einen großen Unterschied in der Bezahlung ausmacht. Der Artikel (http://www.wiwo.de/erfolg/jobsuche/finanz-und-rechnungswesen-diese-bewerber-haben-2014-gute-job-chancen/9423300.html) passt auch gut zu diesem Thema, denn selbst die Wahl der Stadt, in der man arbeiten möchte, ist entscheidend. Ganz schnell entwickelt sich ein hot spot in eine verlassene Gegend…