Vom Nutzen des Krieges

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Schon im vergangenen Jahr postulierten wir an dieser Stelle, daß ein Krieg das Finanzsystem retten sollte, und auch gestern hat sich der BWL-Bote mit der Problematik der platzenden Finanzblase befaßt. Heute setzen wir diese Überlegungen fort, aber aus einem anderen Blickwinkel.

Aber auch hinsichtlich des nunmehr stattfindenden zweiten Golfkrieges lassen sich nämlich bereits nach den ersten Tagen interessante Beobachtungen anstellen: so fiel der Ölpreis der Referenzsorte „Light Sweet Crude“ am Freitag nach dem massiven Beginn der Bombardierungen wieder unter 27 US$ und ist damit seit Anfang des Monats fast ein Drittel vom Höchststand von fast 40 US$ pro Barrel (159 Liter) zurückgegangen.

Das manifestiert sich auch in den Börsenindizes, über die wir an dieser Stelle (und auf der BWL CD) detaillierter berichten werden, wenn längere Zeitreihen vorliegen. Hier sind erst ein paar wenige Zahlen möglich: So stand der Dow Jones Industrial Average 100 Index am 12. März noch bei 7.552,07 (Schlußkurs), stiegt bis Kriegsbeginn (in süßer Erwartung der Kampfhandlungen?) schon auf 8.265,45 Zähler und schnellte bis Freitag, also nach „nur“ einem Tag Krieg, auf 8.521,97 Punkte hoch – so haben die USA ihre Kriegskosten schon alleine durch bessere Geschäfte wieder reingeholt.

Aber auch der Dollar ist gefallen, was umgekehrt natürlich einen weiteren Anstieg des Euros bedeutet. Doch was auf den ersten Blick gar nicht so schlecht ausschaut, ist ganz und gar nicht gut: denn ein starker Euro verteuert die Waren einer exportabhängigen Wirtschaft wie der deutschen Industrie, während ein schwacher Dollar amerikanische Geschäfte im Ausland begünstigt. So profitieren die United States of Aggression schon jetzt von ihrem Krieg.

Damit ist auch Deutschland am Krieg beteiligt, und zwar indirekt: Deutschland zahlt. Und wenn auch nicht direkt, so wie etwa für Israel Milliardensummen direkt bezahlt werden, die Sharon bei seinen Kriegsplänen helfen, so doch indirekt, durch Verlust von Geschäftskraft an die USA.

George W. Bush ist aus dem Protokoll von Kyoto ausgestiegen, und versucht es nun mit Aggression nach außen. Die Europäische Union hat sich dagegen für den Krieg gegen die eigene Bevölkerung entschieden, wenngleich mit nichtmilitärischen Mitteln. Doch die Folgen der CO2-Rationierung werden für die Bevölkerung Europas nicht besser sein als die Konsequenzen des Embargos für die Menschen im Irak. Eine perverse Welt…

Links zum Thema: Soll ein Krieg das Finanzsystem retten? | Der Finanzkollaps, und was dagegen getan wird (interne Links)

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