Sparen, Sparen, Sparen: Die kostentheoretischen Schattenseiten der Verknappungsideologie

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Schon am 26. Januar haben wir an dieser Stelle die kostentheoretischen Grundlagen bestimmter nicht gerade seltener Prüfungsfragen erläutert. Aber die Kostentheorie ist nicht nur prüfungs-, sondern auch lebensrelevant. Dieser kleine Beitrag zeigt, was es aus Sicht der Betriebswirtschaft mit der derzeitigen Spar-Ideologie auf sich hat.

Die grundlegenden Kostenverläufe

Grundlegender Kostenverlauf, Gesamtkosten

Wir legten insbesondere dar, daß der Verlauf der Gesamtkosten sich aus den fixen und den variablen Kosten zusammensetzt. In diesen Definitionen sind verschiedene Fallen für Prüfungsteilnehmer insbesondere hinsichtlich der Kostendefinition und der Abgrenzung der Fixkosten von den variablen Kosten versteckt, die in diesem Zusammenhang jedoch nicht interessieren sollten – wichtig ist nur daß man sieht, daß ein Anstieg der Menge einen Anstieg der Kosten ausgedrückt in Geldeinheiten pro Rechnungsperiode (z.B. Jahr, Monat) verursacht – was eine Selbstverständlichkeit zu sein scheint, aber nach langjähriger Erfahrung des Autors keinesfalls ist.

Grundlegender Kostenverlauf, Stückkosten

Für unseren Zweck ist in diesem Zusammenhang ausschließlich bedeutsam zu zeigen, daß sich ein ganz anderer Kostenverlauf ergibt, wenn man an die senkrechte Achse der Darstellung nicht die Kosten in absoluten Zahlen, also etwa in Geldbeträgen pro Rechnungsperiode, sondern in relativen Zahlen, also z.B. in Geldeinheiten pro Stück Leistungsmenge schreibt: jetzt sind die variablen Kosten pro Stückplötzlich eine Konstante und die Fixkosten sind rückläufig. Da die Gesamtkosten aber nur die Summe aus fixen und variablen Kosten sind, gehen auch die Gesamtkosten pro Stück mit wachsender Gesamtstückzahl zurück: Man spricht in diesem Zusammenhang von der sogenannten Stückkostendegression.

Diese scheinbar so einfache Grundgesetzmäßigkeit hat eine weiterführende Bedeutung, die man an der Leistungsmenge X demonstrieren kann:

Die Auswirkung von Leistungsänderungen

Gesamtkosten bei Leistungsanstieg Stückkosten bei Leistungsanstieg und -rückgang  

Steigt die Ausbringung, also die von einer betrieblichen Einheit erbrachte Leistung, dann kommt es nämlich zu einem Anstieg der Gesamtkosten ausgedrückt in Geldeinheiten pro Rechnungsperiode, aber zugleich zu einem Rückgang der Stückkosten. Was bedeutet dies aber für die Volkswirtschaft?

Verschwendung und Wachstum

Zu einem Anstieg der Ausbringung kommt es gesamtwirtschaftlich, weil die volkswirtschaftliche Nachfrage steigt, und die Anbieter das entsprechende Angebot schaffen. Das hat zunächst zur Folge, daß die Stückkosten der Anbieter zurückgehen, die ihre Leistungsmenge durch erhöhten Absatz ausweiten können. Besteht zwischen den Anbietern Konkurrenz, d.h., gibt es keine Plan- oder Kommandowirtschaft wie etwa im Energie- oder im Gesundheitswesen, dann werden die Preise auch sinken, weil Wettbewerb zunächst über den Preis gemacht wird – oder, kurz und knapp: Leistungsmengenausweitung macht Dinge bezahlbar. Sie ist ein Konkurrenzinstrument aber zugleich auch ein Weg der wirtschaftlichen Freiheit, denn je günstiger Güter und Leistungen werden desto besser ist der Lebensstandard.

Sparksamkeit und Ideologie

Die oft ökologistisch, manchmal aber auch nur mit leeren Kassen motivierte Sparideologie führt aber, wenn sie geglaubt und, mehr oder weniger freiwillig, gelebt wird, gesamtwirtschaftlich zu einem Rückgang der Ausbringung. Das senkt zwart die Gesamtkosten des einzelnen Anbieters, läßt aber die Stückkosten steigen – was gesamtwirtschaftlich bedeutet, daß die Preise ebenfalls steigen müssen, weil kein Unternehmen auf Dauer Verluste erwirtschaften kann. Besteht auch in dieser Situation Konkurrenz, dann hat das aber zwei Folgen: der Preisanstieg wird zu einer verschärften Auslese unter den Unternehmen führen, also zu Pleiten, und das haben wir in den vergangenen Jahren ja ausreichend erlebt. Zudem hat ein gesamtwirtschaftlicher Anstieg der Stückkosten (und damit der Preis) auch Inflation zur Folge – etwas, was in der Vergangenheit auch nicht unbekannt gewesen ist. Auch das kann man aber knapper fassen: Wer spart, schadet sich un der Gesellschaft.

Verborgene Motive?

Das läßt sich besonders gut an der Energiesparideologie darstellen, die einer Menge ökologistischer Regelungen zugrundeliegt: überall soll Energie gespart werden, was der Staat zumeist durch künstliche Verknappung, wenn es sein muß auch durchRationierung erreichen will. Das in diesem Zusammenhang als Begründung vorgebrachte Argument, daß das Öl eines Tages ausgehen werde, ist wenig stichhaltig, wurden solche Ängste doch schon vor über 100 Jahren geäußert. Die globalen Erdölreserven sind heute 15 mal größer als vor 50 Jahren, als man damit begann, sie systematisch zu erfassen. Die heute erschlossenen Erdölvorräte reichen noch für 45 Jahre, wenn man den gegenwärtigen Verbrauch unterstellt. Bereits 1960 hat man die Reichweite der bekannten Erdölbestände mit 40 Jahren angegeben. Das heißt, daß nach 40 Jahren Nutzung die erschlossenen Erdölreserven nicht kleiner sondern größer geworden sind. Für Erdgas und Kohle gilt das gleiche wie für Erdöl: die Vorräte haben in den letzten Jahrzehnten nicht ab- sondern zugenommen. Auch die Mär von der angeblichen Klimaerwärmung ist wenig glaubhaft, wenn eine so große Zahl von Nobelpreisträgern dagegen protestiert und sogar Petitionen gegen diese "irrationale Ideologie" schreibt.

J.M. Keynes und die Mißachtung des Rechts

Die Deficit Spending Politik, die J.M. Keynes in der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre des vergangenen Jahrhunderts vorgeschlagen hat, besteht im Kern darin, daß der Staat in Zeiten der Krise durch zusätzliche, per Verschuldung finanzierte Ausgaben die Nachfragelücke der Wirtschaft schließt und die Konjunktur auf diese Art wieder in Gang bringt. Die so generierten Steuereinnahmen können auch zur Tilgung der Schulden verwendet werden. In späteren Boom-Phasen solle der Staat sich mit seinen Ausgaben zurückhalten und Rücklagen aufbauen oder weitere Schulden tilgen – in der Summe ist diese Politik auch als antizyklische Konjunktursteuerung bekannt.
Interessant ist, daß diese Politik im Stabilitätsgesetz von 1967, das meines Wissens bis heute geltendes Recht ist, dem Bund und den Ländern im Rahmen der marktwirtschaftlichen Ordnung zwingend vorgeschrieben ist. Doch die herrschende Spar-Ideologie ist so mächtig, daß dieses geltende Recht, das ja eigentlich staatliche Mehrausgaben in erheblichem Umfange sowohl in der Krise 1998 als auch in der gegenwärtigen Rezession vorsieht, in beiden Fällen mißachtet wurde: 1998 um die Maastricht-Kriterien einzuhalten, heute möglicherweise auch aus anderen Gründen. Und Saddam ist nur der Vorwand. Offensichtlich macht sich die politische Kaste nichtmal mehr die Mühe, unliebsame Gesetze abzuschaffen – sie werden einfach ignoriert. Nichts anderes freilich erwartet man von einer Regierung, die mit einem kriminellen Außenminister und einem Ex-Terroristenanwalt als Innenminister nicht gerade rechtstreu angetreten ist.

Die sanfte Diktatur

Diktaturen sind dafür bekannt, zu morden und andere recht unschöne Dinge zu tun – Hitler, Mao, Stalin, Pol Pot: es gibt ausreichend Beispiele für diesen Vorwurf. Dies bezeichne ich als harte Diktatur. Kriterium für die "harte Diktatur" ist die Zerstörung menschlichen Lebens als Kernelement der Politik: Konzentrationslager, Vernichtung durch Arbeit, undsoweiter. Doch eine menschenfeindliche Politik kann auch subtiler erscheinen: derzeit ist Deutschland das wohl einzige Volk der Welt, das an Zahl abnimmt. Das dürfte aber kaum an mangelnder biologischer Fruchtbarkeit liegen, sondern möglicherweise daran, daß eine Mehrheit die wirtschaftliche und soziale Lage nicht als geeignet empfindet, ein Kind in diese Welt zu setzen: ganz offensichtlich erleben wir also einen Gebärstreik. Als sanfte Diktatur bezeichne ich in diesem Zusammenhang jede Politik, die zwar keine Menschen ermordet, aber deren Geburt durch direkte oder indirekte politische Maßnahmen verhindert, und wenn offensichtlich kaum noch jemand ein Kind haben will, dann kann das unschwer auf die derzeitige wirtschaftliche Lage zurückgeführt werden: ist die Regierung also für diese verantwortlich, was ich unterstelle, dann haben wir es derzeit mit einer "sanften" Diktatur zu tun. Die ist zwar nicht so brutal, aber ebenso menschen- und lebensfeindlich.

Menschenfeindliche Ideologie

Die immer wieder vorgebrachte Begründung, durch Umweltschutz und "schonenden Umgang mit Ressourcen" könnte man die Welt für unsere Nachkommen bewahren, ist also im Kern lebensfeindlich und rückwärtsgewandt, denn auf diese Art werden wir keine nachkommen mehr haben, von denen wir die Erde hätten leihen können: das ist ein Weg in die Zerstörung der Menschheit durch künstliche Verknappung. Das mag in Deutschland "nur" die Form hoher Benzinpreise und absurder Reglementierungen annehmen, buchstabiert sich aber in anderen Ländern wie Krieg, Vertreibung und Hunger.
Will man zu den Ursachen vordringen, muß man die Vordenker der Öko-Bewegung zitieren, etwa David Brower, der sagte, Kinderkriegen sollte ein "strafbares Verbrechen" sein, oder Paul Ehrlich, der reichlich vorhandene Energie damit verglich, einem Kind eine Maschinenpistole zu geben, der Wirtschaftswachstum für eine "Krankheit" hielt und den Menschen für den Krebs des Planeten. In dieser Zitatesammlung zum politischen Ökologismus finden sich weitere erschreckende Beispiele für eine Ideologie, die derzeit offensichtlich schon die herrschende Ideologie in unserem Land geworden ist. Es ist erstaunlich, wie leicht man den Deutschen schon wieder das Hirn vernebeln konnte: Hitler hätte seine Freude an diesen Vordenkern gehabt!

Links zum Thema

Grundgedanken und Kostenverläufe der Break-Even-Rechnung | Warum nicht alles, was Verlust erwirtschaftet, auch abgeschafft werden sollte | Windkraft im Jahre 2002: alles wird teurer, nichts wird besser | CO2-Neurose und Nachhaltigkeits-Wahn |Zitatesammlung zum politischen Ökologismus (interne Links)

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