Vorsicht, Satire: Das Kotquotenwertpapier

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Die Umweltminister der Europäischen Union beraten den Handel mit Emissionsrechten, den sogenannten "Klimascheinen", der ab 2005 zwangsweise eingeführt werden soll. Geplant ist, Mitgliedsstaaten und einzelnen Unternehmen Quoten an angeblich klimaschädlichen Gasen einzuräumen, die als Wertpapier verbrieft und handelbar ausgestaltet werden sollen. Wer weniger produziert und seine Klimascheine nicht "verbraucht", soll sie verkaufen können; wer hingegen mehr nützliche Güter herstellt, muß zusätzliche "Klimascheine" erwerben, was die Produktion künstlich verteuert und damit die Güter verknappt. Neben der Verknappung auf dem Gütermarkt, die wohl eines der wahren Ziele der Aktion ist, können auch die erlaubten Quoten an "Klimagasen" jedes Jahr gesenkt werden, was den Wert der zirkulierenden Wertpapiere erhöht – ein Derivatemarkt mit Wertgarantie. So schafft die Klimareligion, was kein Aktienhandel je zuwege gebracht hätte: die Rettung des abstürzenden Finanzsektors. Aus diesem Anlaß veröffentlich der BWL-Bote nachfolgend einen Beitrag von Dr. Böttiger, der erstmals am 26. August 2001 auf der Spatzseite erschienen ist. Am Ende des Beitrag folgt eine Liste mit Links auf frühere Kritiken, die der BWL-Bote zum Thema des Zertifikatehandels bereits veröffentlicht hat.

Das Kotwertquotenpapier

Wir reißen unsere Welt in den Abgrund. Gewitter bringen riesige Überschwemmungen mit sich, das Ausbleiben der üblichen Gewitter führt zu Trockenheit und Hunger. Die Meere treten über die Deiche, Korallen sterben ab, Waldbrände läuten das Inferno ein. Kurz: Die Apokalyptischen Reiter Krieg, Pestilenz, Hunger und Tod sind von dort, wohin sie der denkend anpackende Mensch einmal hinverbannt hat, wieder ausgebrochen und fallen nun um so wütender über die Menschheit her. Und schuld an allem ist – na wer wohl – das Klima, schuld am Klima ist das CO2, schuld am CO2 ist der denkend zupackende Mensch, das heißt genauer, die Tatsache, daß es zu viele davon gibt, jedenfalls mehr als die notleidende Finanzwirtschaft ernähren will und daher auch verkraften kann.

So etwas behaupten – wenn auch aus Gründen besserer Publikumswirksamkeit mit anderen Worten – die vom Bonner Kyoto-Meeting enttäuschten politischen Führer in ihrer "Amsterdamer Erklärung zur Weltveränderung" (Global Change). Der Mensch, – leiert die Litanei herunter – greift in Erdatmosphäre und den Bewuchs der Landfläche ein, er verändert die Ozeane, die Küsten, den Wasserkreislauf, die biochemischen Kreisläufe und vermindert die Artenvielfalt. Dies alles geschieht – aus Sicht der modernen Naturreligion – nur und ausschließlich zum Bösen. Denn "die zunehmende Umformung der Erde durch den Menschen ist nicht nachhaltig". Und, um auch den noch nicht Naturgläubigen ins Boot zu ziehen, fahren sie mit dem Augenaufschlag der Besorgten fort: "Die 40 der ärmsten Nationen werden wegen der globalen Erwärmung in den nächsten Dekaden wahrscheinlich Einbußen bei der Nahrungsmittelproduktion von über 20% hinnehmen müssen". Warum? Die Behauptung ist eher unwahrscheinlich, doch wenn Prominente das erklären, sind weitere Fragen "unanständig".

Nun weiß jeder, der einmal zur Schule gegangen ist, daß Pflanzen bei höherem CO2 Anteil in der Luft wesentlich besser wachsen, daß sie dabei mehr CO2 in Pflanzensubstanz binden, dabei höhere Temperaturen aushalten und sogar noch mit deutlich weniger Wasser auskommen. Daß bei globaler Erwärmung mit CO2 reichere Luft nicht mit Einbußen bei der Nahrungsmittelproduktion sondern mit reicheren Erträgen zu rechnen ist, bestätigen Hunderttausende eindeutiger Versuche und der wirtschaftliche Erfolg der Gärtner, die in ihren Treibhäuser die Luft mit CO2 anreichern. Und trotzdem diese Behauptung der Regierungsvertreter!? Sollte so viel Verbohrtheit, sollte so viel Unverfrorenheit der politischen Führung nicht zu denken geben?

Für diese Leute, beziehungsweise ihre Auftraggeber, geht tatsächlich eine Welt unter, ihre Welt der Werbung, der Lügen, des leeren Politgeschwafels, des die anderen für Dummverkaufens und der hemmungslosen, unverfrorenen Abzockerei. Ihre Panik hat aber nichts mit dem Klima zu tun, sondern mit dem Finanzsystem, für das die Politschleimer hinterhältig tätig sind. Sie haben dabei Verhältnisse heraufbeschworen, die an die letzten Tage vor der Französischen Revolution erinnern, oder eher noch an die des Römischen Reichs, als schon Hühner laut gackernd im Kaiserpalast scharrten.

Stellen Sie sich zum Verständnis dessen, was geschieht, das mögliche Ende des 19. Jahrhunderts vor. Damals braute sich in den Städten ein großes Gesundheitsproblem zusammen, es lautete "Pferdeäpfel". Der zunehmende innerstädtische Verkehr hinerließ immer gewaltigere Haufen in den Straßen. Diese waren kaum noch zu bewältigen und lockten, abgesehen vom Gestank, zuhauf Insekten und anderes Ungeziefer an, die Gehirnhautentzündung und andere Krankheiten verbreiteten. Gleichzeitig fraßen die Pferde den armen Leute das Brot vom Tisch, weil man auf immer mehr Ackerland Pferdefutter, das mehr einbrachte, anbaute.

Hätte der Steuerzahler damals schon so etwas wie das Hamburger Max Planck Institut mit einem damaligen Herrn Professor Graßl unterhalten, dann wäre der Bürger anhand von Rechenschiebermodellen und Trendanalysen wie folgt überzeugt worden. Aus den Trends fortschreitender Urbanisierung, des Bevölkerungswachstums und damit verbunden, des Wirtschaftswachstum mit dem entsprechend wachsenden Verkehrsaufkommen hätten die Modellrechner mit 99,9% Sicherheit vorgerechnet, daß um 1950 die Städte im Pferdemist und seinen Ausdünstungen erstickt sein würden, daß bekannte Krankheiten und neue Seuchen ungeahnten Ausmaßes die städtische Bevölkerung hinweggerafft hätten und der Lebensraum wichtiger Tier und Pflanzenarten gänzlich dem Anbau von Pferdefutter gewichen wäre, weil noch das letzte Stückchen Wald, Flur, Moor und See in Ackerland verwandelt worden wäre. Die Preise für die knappen menschlichen Nahrungsmittel würden für die Masse unerreichbare Höhen erklimmen, und die unterernährten Menschen würden um so hilfloser und ohnmächtiger dem Ansturm der Krankheiten erliegen.

Unschwer konnten daraus weitere, soziale Folgen abgeleitet werden. Immer mehr Menschen würden als Straßenfeger eingesetzt. Immer mehr gesellschaftliche Ressourcen darauf verwendet, den Pferdekot einzusammeln, aus der Stadt zu schaffen und zu verarbeiten. Wenn man nicht sofort den Fuhrbetrieb in den Städten einstellt und die Fracht wieder durch Menschen transportieren ließe, würden Hunderttausende von Umweltflüchtlinge die Städte und das Land fluchtartig verlassen und die Nachbarländer heimsuchen. Eine Asylantenflut würde sich durch Europa ergießen und die politische Stabilität der Länder untergraben. Die politischen Verwerfungen und die wachsende internationale Verunsicherung würden schließlich in neuartigen Verteilungskriegen gipfeln.

Was lag also näher, als aus reinem Verantwortungsbewußtsein die politischen Instanzen aufzufordern, alle erforderlichen Maßnahmen zu ergreifen, um diese gefährliche Entwicklungen im Ansatz zu stoppen. Dies könnten zum Beispiel internationale Vereinbarungen zur Minderung des Pferdeäpfeleintrags sein. Dazu wären internationale Konferenzen anzuberaumen. Auf ihnen wäre der Streit zu entscheiden, ob man für alle Länder verbindlich Pferdekotabgabequoten festlegen, oder solche Regelungen nur auf die wohlhabenderen Länder beschränken solle. Die eine Seite würde argumentieren: der wirtschaftliche Erfolg hänge zum großen Teil vom Pferdetransportaufkommen ab; einseitig wirkende Quoten würden die Wettbewerbsfähigkeit verzerren. Dem hielten die anderen entgegen, die bestehenden wirtschaftlichen Unterschiede verlangten, daß solche Verbote erst bei einem gegebenen Entwicklungsstand greifen dürfen.

Schließlich würde eine dritte Fraktion vorschlagen, das Recht, Pferdekotabgabequoten zu emittieren, einer noch zuschaffenden Weltorganisation zu übertragen, die sich und die Kosten der Durchsetzung solcher Quoten notfalls mit militärischen Machtmitteln, aus dem Verkauf solcher Papiere finanzieren könnte. Mit den Kotquotenwertpapier erhielte man – von den Durchsetzungssanktionen abgesehen – eine quasi marktwirtschaftliche Regelung des Zuteilungsproblems. Solche Papiere würden nämlich nur die kaufen, die den größten Nutzen aus dem Pferdekot zögen oder diejenigen, für die seine Vermeidung die größten Kosten aufwerfen. Außerdem ließe sich mit solchen Wertpapieren auch auf die Härten der ärmeren Länder eingehen. Ihnen könnte man ein Mindestkontingent von Pferdeäpfelquotenscheine überlassen, das sie dann an die reicheren Länder weiterverkaufen könnten, zum Beispiel um mit dem Erlös ihre Schulden zu begleichen. Schließlich wäre als Nebeneffekt zu vermerken, daß eine solcherart ermächtigte Weltorganisation künftige Kriege zwischen den Nationen verhindern könnte, wenn und solange ihr das (etwa aus bevölkerungspolitischen Erwägungen) als sinnvoll erscheint.

Der Vorteil des dritten Vorschlag ist, daß sich der Preis der Pferdeäpfelquotenpapiere beliebig durch die Menge der jeweils neu auszugebenden Papiere steuern läßt. Damit erhält die Bürokratie ein weiteres Konjunktursteuermittel. Der Preis der Papiere schafft für die Betriebe einen nicht unerheblichen Anreiz, die Frachtleistung der Pferde durch Menschen zu ersetzen, wodurch sich der Arbeitsmarkt gegebenenfalls entlasten ließe. Dieser Effekt ließe sich durch zusätzliche Prämien für die Einstellung von Lastenträger einerseits verstärken, andererseits dadurch auch die schädigende Auswirkung für die Betriebe, die dazu nicht in der Lage sind, eingrenzen. Wichtig zur Aufrechterhaltung der Volkszufriedenheit wäre nur, daß die öffentliche Propaganda den Einsatz von Lastenträger statt der Pferdefuhrwerke als progressiv und neuesten Stand der Technik öffentlich lobt.

Denkbar auch, daß die Forschungseinrichtungen ihre Programme geändert hätten und nun mit öffentlichen Mitteln ausgestattet, neue Pferdearten züchten würden, Pferde, die bei gleicher Zugleistung weniger Kot ausstoßen, oder solche, die bei der gleichen Futterration eine wesentlich größere Wegstrecke zurücklegen können. Andere Einrichtungen könnten alternaive Hafersorten züchten, bei deren Verdauung im Pferdemagen pro Zentner Futter weniger Pferdeäpfel abfallen. Die Medien wären gehalten, auch diesen Neuen Technologien die gehörige Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit zukommen zulassen, um ihnen den Zugang zum Risikokapital zu erleichtern. Denkbar, daß man damals schon fortschrittliche Jugendorganisationen finanziert hätte, die solche Lösungsvorschläge als revolutionären Weg in die Zukunft gefeiert und alle Uneinsichtigen als "Faschos" und unanständige Ewiggestrige verprügelt oder sonstwie bedrängt hätten.

Schließlich wäre den Städteplaner nichts übrig geblieben, als die Urbanisierung rückgängig zu machen und den Menschen den Zuzug in die Städte zu verwehren. Dadurch wäre zwar insgesamt das Verkehrsaufkommen im Sinne von Kilometertonne pro Kopf verstärkt worden, aber die Schadstoffbelastung wäre auf eine größere Fläche verteilt worden. Dies hätte sich allerdings wiederum negativ auf das Verhältnisses Nahrungsmittel- zu Pferdefuttererzeugung ausgewirkt, aber sehr positiv auf den Arbeitsmarkt.

Von all dem Schwachsinn haben uns im 19. Jahrhundert Daimler und Leute wie er bewahrt. Aber hätte diese Leute heute noch eine Chance? Wären sie nicht von den zahlreichen öffentlichen und sonstigen Umweltforschungseinrichtungen längst vereinnahmt und mit allerlei Umweltproblemen beschäftigt, die alle nur an dem einen neo-marxistischen Ziel arbeiten: Wie läßt sich die grundsätzliche Weiterentwicklung der Produktivkräfte verhindern, damit auch die bestehenden Produktionsverhältnisse erhalten bleiben können?

Ob man sich heute zur CO2-Vermeidung erst an der Wiedereinführung des Pferdetransports orientiert oder gleich auf die Lastenträger zurückgreifen wird, ist noch nicht entschieden. Sie werden es daran erkennen, ob ihre rot-grünen Abgeordneten und Regierungsvertreter in Zukunft auf Eseln, die sie schon dorthin gewählt hatten, zu den entsprechenden Gremien reiten, oder sich auf Fahrradrikschas zu ihrer verantwortungsbewußten Arbeit fahren lassen. Den CO2-erzeugenden Dienstwagen zu benutzen, verbietet ihnen mit Sicherheit der Rest verbliebenen Anstands.

Und Sie, wodurch lösen Sie das "Klimaproblem" und stellen sicher, daß sich grundsätzlich nichts ändert – jedenfalls solange bis Sie Ihre wohlverdiente Pension genossen haben. Es wird sich aber einiges ändern und zwar – wenn nichts geschieht – zu … na ja Sie wissen schon, das, was zu denken Sie sich aus gutem Grund verboten haben. Man lebt schließlich nur einmal und das möglichst umsonst.

 

Update vom 10. Dezember 2002: Die Nachrichtennetworks berichten, daß die Umweltminister sich geeinigt hätten – einstimmig. Davon war auszugehen, denn es geht um die Schaffung eines Derivatemarktes ohne Verlustgefahr und nicht um Umweltschutz. Die Wetterberichte sagen aber auch, daß gestern der kälteste 9. Dezember seit knapp einhundert Jahren war – mit minus 8.2 °C in Berlin der kälteste 9. Dezember überhaupt seit Beginn der Messungen. Von Klimaerwärmung ist also nichts zu spüren, aber man verordnet der Wirtschaft ein planwirtschaftliches Zwangskorsett unter dem Vorwand des angeblichen Klimaschutzes – drastischer kann die Lüge wohl nicht mehr ausfallen. Und kritische Stimmen waren auch nach intensiver Recherche kaum auszumachen – so apathisch sind die Deutschen daß sie es nichtmal merken, wenn die Kommandowirtschaft wieder eingeführt wird. Ein Gespenst geht um in Europa, das Gespenst des Ökologismus…

Links zum Thema: EU-Parlament stimmt Plänen zum Zertifikatehandel zu | Vorsicht, mehr Satire: Neuigkeiten aus dem Öko-Narrenhaus | Kofi Annan, der Hunger und die "Treibhausgase" | Was man so alles kaufen kann… oder sogar muß | CO2-Neurose und Nachhaltigkeits-Wahn (BWL-Bote) | Der "Hessen-Tender" der Deutschen Ausgleichsbank | Flatulent Animal Tax I | Klimaseite von Peter Dietze | Konkrete Meßwerte der NASA belegen, daß es keinen "Treibhauseffekt" gibt | Grünbuches der EU (externe Links)

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