Erfolgstips für Studien- und Diplomarbeiten

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Seit Jahren betreue ich Studenten einer Berufsakademie und Teilnehmer des Betriebswirtelehrganges an der örtlichen IHK bei der Erstellung ihrer Studien- und Diplomarbeiten. Während zu formalen und technischen Details bereits seit einiger Zeit ein Dokument als PDF-Datei ("Hinweise Studienarbeiten.pdf" auf der BWL CD) existiert, befaßt sich dieser kleine Artikel mehr mit inhaltlichen Aspekten. Wie also muß eine erfolgreiche Studien- oder Projektarbeit aussehen?

Grundanforderungen: Der Verfasser sollte in der Lage sein, Teile tief eingebetteter Informationen, die auch verstreut in verschiedenen Quellen und in verschiedenen Medien liegen können (Bücher, Internet) zu lokalisieren, oberzielkonform zu ordnen und auf das gegebene Thema hin auszuwerten. Er muß nicht nur in korrekter Weise die Quellen belegen (Zitate, Fußnoten usw.), sondern auch die relevanten Informationen von den irrelevanten unterscheiden und trennen, nuancierte Ausdrucksweisen erkennen und auf das Ziel der Arbeit hin analyseieren und damit ein detailliertes Verständnis eines umfassenden Sachverhaltes unter Beweis stellen.

Wissenschaftliche Vorgehensweise: Hierfür ist charakteristisch, mehrere parallele Quellen zu verwenden, die unterschiedliche Meinungen vertreten. Diese sollten zunächst wertfrei dargestellt und dann an einer aufzustellenden Hypothese geprüft werden. Gestützt auf diese Analyse sollte dann ein Ergebnis entwickelt werden, das aus den vorher dargestellten Quellen begründet wird, aber selbstverständlich auch eine Meinung des Autors enthalten darf – nur muß er diese eben aus dem Sachverhalt, d.h., aus den Fakten, und keinesfalls aus einer vorgefaßten Meinung heraus begründen – letzteres wäre Ideologie und nicht Wissenschaft.

Zweckfreie Forschung gibt es nicht. Alles Nachdenken geschieht zum Zwecke der Erreichung eines bestimmten Zweckes. Besonders bei Studien-, Projekt- und Diplomarbeiten, die im Rahmen eines betrieblichen Praktikums oder einer betrieblichen Tätigkeit stehen, muß die Relevanz des Themas für den Betrieb deutlich werden. Der Autor muß also darstellen, warum das gerade für diesen Betrieb nützlich ist. Zumeist bedeutet das, daß ein Ergebnis mit Relevanz für den Betrieb erzielt werden sollte – etwa in Form von Schlußthesen oder Empfehlungen an die Geschäftsleitung.

Innerer Zusammenhang: Jeder Teil der Arbeit sollte einen Bezug zum Ganzen haben. Es sollte stets sichtbar sein, warum gerade das gerade jetzt dargestellt wird. Das setzt profunde Kenntnis der Wirkungszusammenhänge des betrachteten Themas voraus, d.h., kann nur durch viel Fleiß und Begeisterung für die Sache erreicht werden. Sich "geistig zu erbrechen", also alles, was man zu einem Thema weiß mehr oder weniger ungeordnet und ohne inneren Zusammenhalt darzustellen, ist ein Zeichen oberflächlicher und schlampiger Vorgehensweise und ein sicherer Weg zu einer schlechten Benotung. Übrigens kann das Ergebnis einer Untersuchung durchaus auch negativ sein (etwa vom Argumentationstyp "der Betrieb X kann das Ziel Y grundsätzlich nicht erreichen"), allerdings muß auch das aus der Sache heraus begründet werden.

Äußerer Zusammenhang: Eine Studien- oder Diplomarbeit ist der Abschluß einer Aus- oder Fortbildung. Sie sollte also demonstrieren, daß das Gelernte angewandt werden kann. Während ich mich in meiner Lehrveranstaltung (und auf der BWL CD) bemühe, praxisrelevante Inhalte in praxisnaher, d.h., zumeist elektronischer Form zu liefern, sollte sich der Autor einer Abschlußarbeit bemühen, solche Inhalte auf die betriebliche Wirklichkeit anzuwenden. Dabei ist weniger oft mehr, d.h., es kann besser sein, ein oder zwei Modelle recht umfassend am Modell eines Betriebes zu demonstrieren als eine große Zahl von Modellen nur oberflächlich zu skizzieren, denn dann wird der Bezug zum Betrieb, d.h., zum Gegenstand der Arbeit oft nicht mehr sichtbar.

Aktuell zum Thema: Hinweise zur Erstellung von Studienarbeiten (PDF, 324k).

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