Reparationen: Deutschland zahlt bis 2020

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Wenig bekannt ist der Umstand, daß Deutschland an den Reparationszahlungen für den ersten (!) Weltkrieg noch bis 2020 zu zahlen hat: Obwohl die Frage der deutschen Kriegsschuld bis heute umstritten ist, wird Deutschland als Kriegsverlierer (nicht –beginner!) bis 2020 zu Zahlungen verpflichtet.

Zunächst hatte der Zwangsfrieden von Versailles keine genaue Reparationsforderung festgelegt. Diese wurde erst später von einer Kommission auf Eintausend Milliarden Mark festgelegt. Bis 1924 folgten noch 25 weitere Konferenzen zur Reparationsfrage. Schließlich legte der Dawes-Plan die Summe auf 132 Mrd. Mark fest und das Young-Abkommen senkte den Betrag 1929 auf 37 Mrd. Goldmark, zahlbar bis 1988. Doch die Zahlungen endeten in der Weltwirtschaftskrise und später im nationalen Sozialismus, der ohne Versailles wohl kaum geworden wäre was er wurde.

Aber wiederholt sich die Geschichte? Die Siegermächte des zweiten Weltkrieges annullierten das Young-Abkommen und legten Reparationsleistungen von insgesamt 50 Mrd. Dollar (Zeitwert 1949) fest, und zwar zu tragen von Ost- und Westdeutschen zu gleichen Teilen, was die Ostdeutschen viel stärker belastete als den Westen. Doch während die Sowjetunion in der SBZ und später in der DDR alles, was nicht niet- und nagelfest war demontierte, wurden die westdeutschen Kriegsschulden mit geliehenem Geld bezahlt, d.h., in handelbare Wertpapiere umgewandelt. 1953 schloß die damalige westdeutsche Regierung mit den Siegermächten ein Abkommen, das eine Regelung enthielt, daß die Zinsen der Reparationsforderungen erst durch ein vereintes Deutschland getragen werden müßten, die sogenannte Schattenquote, denn sie stand im Schatten der damaligen deutschen Teilung. 1990 trat diese Schattenquote jedoch unverhofft ans Licht, als plötzlich fällige Wertpapiere, gültig und handelbar noch bis 2020, Reparationszahlungen ein Jahrhundert lang, wie es auf einem Plakat von Herbert Rothgängel heißt: "Bis in die dritte Generation müßt Ihr fronen!"

Doch auch für den Zweiten Weltkrieg hat Deutschland anscheinend noch nicht genug bezahlt. Obwohl der Bundestag im Mai 2001 Rechtssicherheit festgestellt hat und die Auszahlung der Zwangsarbeiter-Entschädigungen freigab, soll Stuart Eizenstat, der US-Unterhändler über die Entschädigung von NS-Zwangsarbeitern, plötzlich die Frage nach Reparationsleistungen wieder aufgeworfen haben. Nur Zwangsarbeit, medizinische Experimente und "Arisierung" von Vermögen dürften fortan als abgegolten gelten. Das "Thema der Reparationen", so hieß es, bleibe vom Vertrag unberührt. Ja, es ist Shoah-Business!

Das wundert nicht, denn Deutschland hat bis heute, fast ein Menschenalter nach dem zweiten Weltkrieg, noch immer keinen Friedensvertrag, aber Reparationen dürfen nach Völkerrecht erst nach einem Friedensschluß festgelegt werden. Die Zahlungen, die Deutschland dem Grunde nach schon im Potsdamer Abkommen vom Februar 1945 auferlegt wurden, die bis 1954 immerhin 57 Mrd. Mark umfaßten, davon 40% an Israel, waren also völkerrechtswidrig – und der Wert der Demontagegüter und der verlorenen Ostgebiete wurde nie exakt bewertet, wenn das überhaupt möglich ist.

Ob man überhaupt zu einer "gerechten" Lösung kommen kann, weiß ich nicht. Und eigentlich will ich es auch nicht wissen, denn ich möchte nicht Auschwitz gegen Schlesien abwägen müssen, oder die DDR gegen die BRD. Nein, der Skandal hieran ist, daß spätere Generationen, die schon durch die Gnade der späten Geburt keine Schuld treffen kann, zu Leistungen verpflichtet werden, die Strafcharakter haben. Ein Verstoß gegen das Rechtsstaatsprinzip!

Dazu fällt mir nur noch ein, daß meine Vorfahren in Kroatien lebten, und ich sollte ein bißchen Ahnenforschung betreiben. Dabei könnte rauskommen, daß irgendwer vom römischen Kaiser Diokletian (245-313, Kaiser 284-305) verschleppt, ermordet oder sonst beschädigt worden ist, denn der hatte seinen Alterssitz in Salona, dem heutigen Split an der dalmatinischen Küste. Und wenn ich was finde, stelle ich entsprechende Ansprüche an den italienischen Staat als Rechtsnachfolger des alten Roms. Mal sehen, wie hoch 1.700 Jahren die Zinsen aufgelaufen sind…

Update [29.01.2002]: Einer der früher vorstehend zu findenden Links wurde wegen Parteilichkeit entfernt. Der BWL-Bote ist um historische Objektivität bemüht. Vielen Dank an den Leser, Herrn T.B., der mir diesen Tip gegeben hat! – HZ

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2 Responses

  1. Bohnstaedt Jürgen sagt:

    Warum, wird Israel alles an Schuldanerkennung in jeder Hinsicht durch Deutschland sowohl materiell als auch moralisch entgegen gebracht aber den Russen statt Schuldanerkennung in materieller Hinsicht und erst Recht nicht moralischer Hinsicht, entgegen gebracht? Es wird durch Einzelne (alte unverbesserliche Deutsche heute noch Russen gegenüber direkt gesagt “ Russen seien Menschen zweiter Klasse“ Wer hat russische Menschen im Kriege als Gefangene sofort erschossen weil Sie Politoffiziere waren ( nach Hitler deshalb auch in Uniform keine Militärangehörige wären. Wieso erlaubt sich die Bundeskanzlerin dem Russischen Präsidenten zu Raten, was er in Sachen Demokratie tun solle? Warum ist Sie in St.Petersburg getürmt. Hat Sie jemals den Friedhof in St.Peterburg gesehen. Dort ruhen ca 1000 000 Menschen Frauen Kinder alle Menschen die durch “ Deutsche Schuld“ der Einzingelung Bombadierung Aushungerung umkammen. Wenn Deutsche Menschen die den Bundesdeutschen Film über Belagerung gesehen haben und trotzdem den Russen “ kluge Ratschläge“ geben würde ich fragen. Machen Sie das mit den USA. oder Anderen auch so. Ich weis natürlich um viele andere grausame Tätigkeiten der Deutschen in Russland, aber stellvertretend für die Millionen Toten in Russland, habe ich nur dieses einzige Beispiel auf geführt. Ich akzeptiere keine Gegendarstellung die das Deutsche Verhalten aufwiegen wollen. Wann wollen Sie Russland endlich materielle Gutmachung anbieten? Auch die Russen wurden massenhaft ermordet das wissen Sie doch. Sind Sie blind, Russland ist eben das reichste Land der Erde, Es steht Deuschland doch sehr gut an , mit Russland als Freundesland zu leben und den guten Handel und Wandel mit Russland erfolgreich fort zusetzen. Russland wird seine Probleme selbst lösen ohne “ Deutsche Nachhilfe“! Was Reparationen angeht, die DDR hat Reparationen an Russland geleistet. Die BRD nicht. Die BRD verschiebt es an Ihre Urenkel (nach einem Friedensvertrag). Mein persönliches Erleben im Standesamt durch die Befragung meiner Ehefrau (vor der Eheschließung) (aus St.Petersburg) hat mich sehr traurig gemacht. Das war ein Verhör das hatte ich im heutigen Deutschland nicht für möglich gehalten. Ich kann die Forderung der Ausländerbehörde nicht akzeptieren: “ ich soll meinem Hauseigentümer um Erlaubnis fragen ob meine Ehefrau in meiner Mietwohnung mit mir wohnen darf. Ich soll die mögliche Zustimmung schriftlch vorlegen. Lebe ich mit Fritz Reuter im Feudalismus? oder in Deutschland heute? welches Gesetz schreibt das vor? .

  2. Marecus Stallmann sagt:

    Ich bin auf diesen Artikel hier gestoßen,weil ich mich gefragt habe,wielange und wieviel bzw warum muß die heutige Generation immer noch bezahlen???
    Viele meiner Mitmenschen sehen das ähnlich wie ich,Schluß mit dem Zahlen,Warum??? Was hat meine die heutige Generation mit dem ersten und zweiten Weltkrieg zutun???
    NIchts!!!
    Wenn man anfängt mal Nachzudeneken,wer denn Krieg begann bzw wo der Herr,herkam,müßte man dann nicht noch ein anderes Land mit hineinziehen???
    Warum stelle die Länder,die von uns diese Zahlung fordern,sich nicht die Frage,könnten wir auch für vergangenen Tat bezichtig werden???
    Deutschland zahlt Unmengen an Hilfsgeldern,leistet hilfe im wieder Aufbau,gibt Unterstützung wo es kann,trotzdem gibt es dreißte Menschen/Länder die den Hals nicht vollbekommen.
    Ach ja und wenn´s um sparen geht,dann protestieren diese Menschen auch noch!!
    Ich sage ganz KLAR,Schluß mit diesen Zahlungen,weil es nicht sein kann,das UNSERER Staat für Verbrechen zahlte,die ein Irre in der Vergangenheit machte,womit UNSERE Generation nichts zutun hat!