Studienstrategie und Karriereplanung: Unkonventionelle Tips zum Semesterbeginn

Teilen

 

 

Seit Jahren beobachte ich Studenten und ihre Lebensplanung – und warum es dann manchmal doch nichts wird. Rechtszeitig zum Semesterbeginn fasse ich hier mal ein paar Gedanken zusammen, die mich seit dem Beginn des Wintersemesters mit einer neuen Erstsemestergruppe wieder bewegen. Denkt drüber nach, und laßt mich mal wissen, was Ihr davon haltet

Von Arbeit und Liebe

Ein Studium ist ein hartes Stück Arbeit – also mußt Du lieben, was Du tust. Besonders im IT-Gewerbe sind Zwanzigstundenschichten und Nacharbeit häufig, und das hält nicht aus, wer es nicht aus innerem Antrieb macht. Werde Dir also erst darüber klar, was Dich begeistert, und dann tu das – und nichts anderes. "Jeder starke Mensch erreicht unfehlbar das, was ein wirklicher Trieb ihn suchen heißt" (Herrmann Hesse, Steppenwolf): Werde Dir wirklich darüber klar, was Du im Leben willst, wobei ein Tapetenwechsel übrigens sehr hilfreich sein kann…

Vom Sinn der Ferne

Früher mußten Gesellen eine Zeit auf Wanderschaft und durften während dieser Wanderjahre nicht in die Nähe ihrer Heimatorte. Wandern mußt Du zwar vermutlich nicht mehr, aber in die Ferne. Einen besseren Rat kann man im Zeitalter der Globalisierung kaum geben: ein Semester in den USA, dann irgendwo in Europa, vielleicht noch ein bißchen in Fernost – so fangen erfolgreiche Karrieren an. Das ist zwar nicht der einfachere Weg, aber der bessere. Wenn Du übrigens keine Lust hast, in einer Bank in Tokyo die ganz tiefe Verbeugung vor Deinem Boß zu erlernen: mich hat es als Student nach Indien verschlagen, ein prägendes Erlebnis. Ganz allgemein ist es übrigens immer nützlich, eine möglichst radikal andere Kultur kennenzulernen!

Vom Sinn des Studiums

Man kann studieren, um Einsichten in die Ewigkeit zu erlangen, und so ein Studium passiert nicht im Hörsaal. Man kann aber auch studieren, um sein Leben nicht zu träumen, sondern seinen Traum zu leben, und die Betriebswirtschaft gehört eindeutig in diese Kategorie. Und was sagt uns das? Habe einen Traum und zwar einen eigenen Traum! Tue nichts, weil alle es tun, und halte nichts für richtig, weil alle es gerade richtig finden, sondern tue nur, was Du selbst richtig findest, und bilde Dir immer Deine eigenen Meinungen! In diesem Licht haben auch die religiösen Texte eine höchst aktuelle Bedeutung, aber sie wollen sorgfältig gelesen und langsam überdacht werden!

Grundgedanken der Karriereplanung

Eine Eigenschaft sollte Dein Lebenslauf haben: einen roten Faden. Der sollte im Grundstudium beginnen und an Deinem Sarg enden! Bitte, bitte, überleg' Dir erst, was Du willst, und steuere dann auf dieses Ziel zu. Richtungswechsel ohne gleichzeitigen Aufstieg sind in einem Lebenslauf sichere Zeichen des Scheiterns, ebenso wie unmotivierte Lücken! Und immer dran denken: die BWL ist kein Selbstzweck, sondern ein Instrument…

Die Schwachpunkte der universitären Ausbildung

In den Universitäten begegnen Dir oft verbeamtete Lehrer, und der Lehrbetrieb ist am Behördenbetrieb orientiert: keine gute Voraussetzung! Leere Kassen, schlechte Ausstattung, unmotivierte Verwaltungsmitarbeiter, Rechnerplätze nur noch nachts oder an Wochenenden – Alltag im Studienbetrieb. Leider! Auch daß selbst Einskommanull-Abiturienten in Deutschland in ihrem Wunschfach bisweilen keinen Studienplatz kriegen, ist so ein Systemnachteil. Eine Reaktion auf diese Misere ist (neben dem Studium im Ausland) ein möglichst enger Praxiskontakt, am besten in einem Unternehmen. Das garantiert Dir nicht nur eine Stelle nach erfolgreichem Abschluß des Studiums, sondern erlaubt Dir auch, die Theoretiker dann und wann durch gezielte Fragen aus ihrem theoretischen Elfenbeinturm zu reißen (oder aus dem Konzept zu bringen), denn es gibt keine zweckfreie Wissenschaft – auch wenn manche Dir was Anderes einreden wollen!

Generalist und Spezialist

Im Grundstudium mußt Du noch nicht J.M. Keynes interpretieren, aber vielleicht wissen, was das Kollektivgutdilemma ist und wie man Buchungssätze macht. Allgemein: verschaffe Dir erst eine ordentliche Orientierung und gehe dann in die Details – es andersherum zu machen ist falsch! Die BWL als Spezialdisziplin der Gesellschaftswissenschaften ist eher generalistisch – bis zum ersten Finale. In einer mündlichen Diplomprüfung hatte ich einen Kandidaten, der über sein Fachgebiet einfach alles wußte, aber nicht, daß eine GmbH keine Personengesellschaft ist: ein klassischer Fehler. Spezialistentum ist erst ab der Doktorarbeit gefragt, denn da mußt Du etwas Neues herausfinden, und das ist leichter in Spezialgebieten, denn da gibt es weniger Konkurrenz.

Moralische Überlegungen

Den Wirtschaftswissenschaften im allgemeinen und der Betriebswirtschaft im besonderen wird nachgesagt, moralisch zweifelhaft zu sein. Das könnte wahr sein, oder auch nicht, aber es interessiert uns nicht: Die Wirtschaft ist so gut (oder schlecht) wie das, was Du daraus machst. Wirtschaft ist ein Phänomen der Gesellschaft, und also auch ein Spiegelbild der Gesellschaft. Beschwer' Dich also nicht über die Taten anderer, sondern mach es selbst besser!

Link zum Thema: Forum für Betriebswirtschaft.

Das könnte dich auch interessieren...